Ich wünsche allen einen fröhlichen Valentionstag, kupo!

Valentionstag?

Ist das nicht der Tag, an dem man beim Blumenhändler Schlange steht?
Kann schon sein, aber da war noch etwas Anderes …
Das ist doch der Tag, an dem man haufenweise Pralinen geschenkt bekommt!
Möglich, aber darauf kommt es nicht an …

Worauf kommt es denn an, kupo?

Na, das ist der Tag, an dem Liebespaare sich gegenseitig ein Geschenk machen und so ihre Liebe zeigen, kupo.

Und ein Tag für heimliche Verehrer, der Angehimmelten ihre Liebe zu gestehen und sie mit einer Schachtel edler Pralinen in Verlegenheit zu bringen … ich meine, zu erfreuen, kupo!

Ihr kennt doch Atelloune, die Assistentin des berühmten Professor Chanoix und Expertin für alles, was da kreucht und fleucht? Ihrer neuesten Studie zufolge, die sie neulich im Zoologikon veröffentlicht hat, sind Chocobos in der Lage, sich zu verlieben. Genauso wie Hume, Elvaan und wir Moogles, kupo. Ist das nicht putzig?

Mit solchen gelehrten Dingen kennt sich ein einfacher Moogle wie ich nicht sonderlich gut aus, aber ein Herz für Tiere, das habe ich. Und wenn sich Atelloune auf Forschungsreise begibt, werden bestimmt wieder ein paar Abenteurer mit hineingezogen. Das kann ja ein heiterer Valentionstag werden, kupo!


Prycillia steckte in Schwierigkeiten.

„Hilfe in Sachen Liebe“ hatte es in der Stellenanzeige geheißen …

Wie alle jungen Mädchen war Prycillia ganz versessen auf alles, was mit dem Thema Liebe zu tun hatte. Wenn sich eine Freundin mit Liebeskummer an sie wandte oder weil sie einfach nicht an den Jungen ihrer Träume herankam, war sie normalerweise nie um einen Rat verlegen.

Aber doch nicht, wenn es um die Liebe zwischen Chocobos ging!

„Was hat sich die werte Frau Wiss.-Ass. Atelloune nur dabei gedacht?“

Eine „Wissenschaftliche Bestätigung des vermuteten menschenähnlichen Liebesempfindens unter Chocobos“ wollte Atelloune erbringen, um ihren Doktorvater, den berühmten Professor Chanoix, zu beeindrucken.

So lautete Prycillias Aufgabe nun, einem schüchternen und in romantischen Angelegenheiten unerfahrenen Chocobo unter die Flügel zu greifen und zu verkuppeln. Über das Ergebnis ihrer Bemühungen hatte sie Atelloune detailliert Bericht zu erstatten. Als Dank würde sie – vielleicht, wenn es die Drucklegung der Dissertation erlaube – in einer Fußnote erwähnt werden.

„Empirisch bestätigte Methoden zur Verkupplung von schüchternen Chocobo-Männchen“, so oder so ähnlich würde wohl ihr Beitrag lauten.

Da Prycillia keinen anderen Rat wusste, entschied sie sich, zunächst ihre Bekannten zum Thema zu befragen. Sie begann mit einer Freundin, die im Händlerviertel von Bastok als zukünftige Star-Modeschöpferin angesehen wurde.
„Wer mit dem richtigen Geschenk den unausgesprochenen Wunsch einer Person errät, wird ohne Zweifel deren Herz gewinnen“, empfahl diese voller Überzeugung und Prycillia konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ihre Freundin aus eigener Erfahrung sprach.
„Und mit dem richtigen Geschenk meine ich einen Subligar von Bui Liton“, fügte sie hinzu, als könnte sich eine Frau nichts Anderes wünschen.
Interessanter Rat, dachte Prycillia und merkte sich die neue Kollektion von Bui Liton als heißen Modetipp aus erster Hand … aber einem liebeshungrigen Chocobo war damit wohl nicht zu helfen.

Dann besuchte sie eine weitere Bekannte, die Tochter eines Samurai, die in einer kleinen Werkstatt ihrem Handwerk nachging.
„Auf die richtige Wortwahl kommt es an“, antwortete diese mit ihrer ernsthaften, ja, geradezu strengen Stimme und Prycillia machte sich Gedanken, ob sie ihre Bekannte im angemessenen Ton angesprochen hatte.
„Denn ehrlich gesagt gefällt es mir, wenn Männer Süßholz raspeln“, sagte sie, legte das Werkzeug zur Seite und auf einmal war jegliche Strenge aus ihrer Stimme verschwunden. Das pikante Thema ließ ihre Wangen in einem zarten Rot aufleuchten.
„Sie kann ja richtig lieblich aussehen!“, dachte Prycillia und wünschte sich, dass die Jungs der Musketier-Truppe ihre Freundin so sehen könnten. Ach was! Die wussten ohnehin nicht, was eine feine Dame ausmacht!

Als nächstes befragte sie ein älteres Ehepaar, das im Bastoker Hafengebiet wohnte.
„Nur echte Zuneigung und gegenseitiges Verständnis halten auf Dauer eine Ehe am Leben“, antwortete die Frau und schaute liebevoll zu ihrem Ehemann.
„Ich habe wirklich großes Glück gehabt, großes Glück …“, sagte sie und die silberne Haarspange, die sie von ihrem Mann am Tag ihrer Hochzeit geschenkt bekommen hatte, glänzte im Schein der Abendsonne.

Prycillia überdachte ihre bisherigen Einsichten, um zu einem Ergebnis zu kommen.
Um wahre Liebe erblühen zu lassen, soll man dem Partner ein geeignetes Geschenk machen. Außerdem führe ein wohl formuliertes Liebesgeständnis zum Ziel. Und es bedarf echter Zuneigung und gegenseitigen Verständnisses.
Aber welche der vorgeschlagenen Methoden nun wirklich zum Erfolg führte, wusste Prycillia nicht. Also traf sie einen Entschluss.

„Sie wollen also alle drei Methoden ausprobieren … Großgütige Altana, das kann ja heiter werden“, dachte Atelloune und gab einen tiefen Seufzer von sich.
Auf dem Tisch lagen zwei geöffnete Briefe.
Sie stammten von ihren Schülerinnen Niscoliette und Chabobo.
Und zu Atellounes großem Bedauern stimmten beide vollkommen mit Prycillias Vorschlag überein.

Alle drei schrieben das Folgende:
„Wir möchten uns bei den Abenteurern, die uns so überaus bereitwillig bei der Erstellung des Berichts geholfen haben, unbedingt erkenntlich zeigen.“

„Doch leider ist unser Forschungsbudget zu begrenzt, um …“ An dieser Stellte hatte Atelloune einen Einfall. Wenn ihre Mitarbeiter für die Hilfe der Abenteurer wirklich so dankbar sind, sollen sie es selber zeigen, unabhängig von jedem Budget.

Ein paar Tage später hatten sich die drei Schülerinnen in Jeuno eingefunden und begonnen, Atellounes Idee in die Tat umzusetzen.

„Eins für die Chocobo, zwei für den Bericht, drei für die werte Frau Wiss.-Ass. Atelloune …“
„Prycillia! Hört auf mit diesem Arbeitslied, das macht die Arbeit nur noch anstrengender! Sonst stoße ich Euch von Eurem Chocobo! Obwohl das sicher noch eine Gnade wäre, so unbequem wie dieses vermaledeite knochige Rückgrat ist …“
„Niscoliette, ich bitte Euch! Reißt Euch ein bisschen zusammen! Wenn Ihr so sprecht, ist es kein Wunder, dass Ihr keinen Mann findet! Die nehmen doch alle Reißaus!“
„Wisst Ihr, wohin Ihr Euch Euren Rat stecken könnt?“
„Seid ruhig und arbeitet. Denkt nur daran, wie viele Abenteurer uns geholfen haben! Wir haben noch viel zu tun“, sagte Chabobo und alle drei widmeten sich wieder ihrer Arbeit.
Um sie herum türmten sich die Blumengestecke, die sie in den letzten Stunden gebunden hatten. Aber es dauerte nicht lange, bis Prycillia es nicht aushielt und wieder den Mund öffnete.

„Ich hab’s!“
„Was denn?“
„Eine erfolgreiche Liebesbeziehung entsteht nicht einfach so. Man muss sich darum bemühen. Und den anderen mögen, wie er ist.“
„Wen meint Ihr genau, wenn Ihr sagt, dass „man“ sich darum bemühen muss?“
„Den Mann natürlich!“ antwortete Prycillia als wäre die Antwort selbstverständlich.
„Also von Männern würde ich nicht allzu viel erwarten. Da müssen wir Frauen uns schon selber helfen.“
„Ich geh noch einen Schritt weiter und sage, dass uns da nur die Abenteurer helfen können!“
„Also ich denke, dass es Aufgabe der Männer ist, in Sachen Liebe die Initiative zu ergreifen. Besonders was Bemühungen und Zuneigung angeht.“
„Da habt Ihr Recht. Und Mut müssen sie aufbringen.“
„Genau. Und aufrichtig sollen sie sein.“
„Wenn Männer doch nur so wären, wie ich sie mir wünsche! Dann könnte ich mich auch leichter in sie verlieben!“
„Ihr sagt es, Schwester!“
„Sehe ich genauso, Leidensgenossin!“
„Blumen und Pralinen, jedes Jahr das gleiche Spiel, aber was bringt es schon? Ach, ich hab keine Lust mehr, Gestecke zu binden!“

Atelloune, die sich im Schatten versteckt und die drei belauscht hatte, konnte nicht anders als einen tiefen, verzweifelten Seufzer auszustoßen.
„Merken die drei denn nicht, dass sie sich mit ihren hohen Ansprüchen selbst im Weg stehen?“

Ja, es sah ganz so aus, als ob nicht nur die Chocobos Hilfe in Sachen Liebe nötig hatten …