Kaum zu glauben, dass es schon ein ganzes Jahr her ist, seit Niantic Pokémon Go veröffentlicht hat. Ich erinnere mich noch gut daran, denn plötzlich starrten alle wie gebannt auf ihre Handys, während sie zur Schule, in die Arbeit oder einfach nur spazieren gingen und dabei kann ich mich selbst gar nicht ausschließen. Pokémon, die man primär aus dem gleichnamigen Anime und den diversen Game Boy, Game Boy Advance und Nintendo DS/3DS spielen kannte, hüpften quasi in unserer realen Welt umher und warteten nur darauf, von uns gefangen zu werden: Wie geil ist das denn?!

Am 1. September 1999 brachte RTLII die Taschenmonster nach Deutschland. Ich selbst war damals elf Jahre alt und saß gespannt und neugierig vor dem Fernseher, während Ash Ketchum von seinem ersten Pokémon träumte und dann letztlich mit einem sehr eigenwilligen Pikachu an den Start ging. Dass sich aus jeder Spielegeneration für Nintendos Handhelden ein Teil in meiner Spielesammlung befindet, muss ich wohl kaum sagen. Daher war auch für mich ganz klar: Das Spiel wird heruntergeladen.

Trotz Hürden bereit für die Jagd

Und dann kam schon für mich die Ernüchterung: Obwohl bereits Freunde und Bekannte die App herunter geladen hatten und bereits Spielen konnten, stand für mich das Spiel erst gar nicht zur Verfügung. Als Besitzer eines Samsungs Galaxy S5 Minis wurde mir das Spiel bereits vom Google Playstore verwehrt und schnell stellte ich fest, dass es nicht nur mich und gleichgesinnte traf. Android-Geräte ab Version 4.4 wurden zwar unterstützt, doch wenn die Geräte auf der x86-Architektur von Intel basierten, war das Gerät quasi schon durch Niantic beerdigt worden. Von Windows-Phone Geräten sprach man gar nicht erst. Frust? Ein wenig, gespielt wurde aber trotzdem: Die APK-Version wurde einfach aus alternativen Quellen bezogen, was mich somit zum Erfolg führte. Ich konnte auf die Jagd gehen.

Jahreszeiten mit Abwechslung

Der große Hype im Sommer 2016 überraschte nicht nur Niantic, sondern auch Spieler in aller Welt. Der unerwartet große Ansturm auf das Spiel ließ die Server in den ersten Tagen regelmäßig in die Knie gehen. Dass es auf meinem Smartphone noch weit holpriger zuging, kann man sich bestimmt denken. Der Hype war so groß, dass selbst die Medien über Pokémon Go berichteten als wäre eine Epidemie ausgebrochen. Die Welt spaltete sich dabei in zwei Gruppen: jene, die es spielen und dabei den Spaß finden an der frischen Luft stets in Bewegung zu sein und welche, die den Spielenden den Spaß nicht gönnten.

Im Herbst legte ich das Spiel irgendwann zur Seite, ermüdet vom ständigen Fangen von Taubsi, Rattfratz und Hornliu. Dann kam das Halloween Event und auch ich zückte mein Smartphone wieder und ging auf die Jagd nach Geister- und Psycho-Pokémon, wie Nebulak, Alpollo, Gengar, Traumato oder Hypno. Mit dem Ende des Events, war auch nach kurzer Zeit wieder die Luft raus.

Erst ab Frühling folgten dann weitere Events. Zum Valentinstag gab es zahlreiche pinke Pokémon, wie Pippi, Chaneira oder Knuddeluff. Im März folgte dann schon das nächste Event: das Wasserfestival. Neben zahlreichen Wasser-Pokémon gab es auch die ersten schimmernden Pokémon und eine etwas aufpolierte App-Version. Im Mai konnten wir uns dann an einem Wochenende über vermehrtes Auftreten von Pflanzen-Pokémon freuen. Im gleichen Monat folgte dann die Abenteuerwoche in der besonders viele Stein-Pokémon zu finden waren wie Kleinstein, Onix oder Rihorn. Im Juni legte man sich dann noch mal ins Zeug: So traten häufiger Feuer- und Eis-Pokémon auf.

Von Schummlern, Cheatern und denjenigen, die es nicht verdient haben

Erst Monate nach dem Start beginnt Niantic gegen Schummler und Cheater vorzugehen: Automatisiert fangende Bot-Accounts werden gesperrt. Viel später trifft es dann auch Spieler, die mit Spoofing über die ganze Welt gelaufen sind und sich damit besonders seltene oder starke Pokémon ergattert haben. Ihre Pokémon sind rot durchgestrichen und verweigern den Kampfeinsatz.

Oftmals traf es auch tatsächlich reisende Spieler, wie einen Bekannter von mir. Er lebt und arbeitet zwar hier, seine Familie aber wohnt ein paar 100 Kilometer entfernt. Bei seiner Familie angekommen, wollte er wie gewohnt spielen, was auch zunächst ging. Dann war er plötzlich gebannt. Selbst heute noch, viele Monate danach, bleibt Niantic jedoch meinem Bekannten eine Antwort schuldig und sein Account bleibt somit auch wohl in Zukunft weiter gebannt.

Dem Spaß am Spiel hat es ihm dadurch aber nicht verdorben. Mit einem neuen Account hat er die Herausforderung erneut aufgenommen und ist dabei um eine Erfahrung reicher: Familienzeit bleibt Familienzeit und wird nicht am Smartphone verbracht.

Einsicht und Umgestaltung

Ein wichtiges Feature, das neben dem Fangen auch Abwechslung bieten sollte, wurde von Anfang an von Spielern kritisiert. Mehr Frust als Spaß erlebten Spieler bei den Kampfarenen und selbst Niantic gab in Interviews zu, dass die Umsetzung weit hinter ihren Vorstellungen der Kampfarena zurückblieb. Für Spieler jedoch kein Trost, da die Arenen die einzige Einnahmequelle für die Spielwährung ist. Während sich die einen damit arrangierten und sich mit bis zu 30 Coins pro Tag zufrieden gaben, fanden einige Spieler schnell heraus, wie man sich die Schwachstellen zunutze machen konnte, um sich somit täglich die Maximaleinnahmen von 100 Coins zu sichern.

Um das Problem zu umgehen, probierte Niantic es zunächst einige Pokémon abzuwerten und andere etwas aufzuwerten. Letztlich war niemand mehr zufrieden und Niantic steuerte erneut dagegen. Diesmal mit Erfolg.

Über den Winter hinweg versuchte Niantic seine Spielerschaft mit zusätzlichen Inhalten ein wenig auf Zack zu halten und die Motivation zu steigern. Im Dezember konnte man aus Eiern Pokémon, wie Togepi, Pichu, Elekid oder Magby bekommen. Die zweite Pokémon-Generation stand also langsam aber sicher in den Startlöchern. Im Februar war es dann soweit, die fast komplette zweite Pokémon- Generation wartete darauf, gefangen zu werden.

Erst kürzlich verkündete Niantic, dass ein neues Arenasystem in den Startlöchern stehe. Am 19. Juni wurde dann das alte Arenasystem beerdigt. Am 22. Juni ging schon das neue Arenasystem online und bereits am 24. Juni startete Niantic die ersten Raids.

Auf einen Schlag war alles wie neu. Die Straßen sind wieder gefüllt mit Smombies, die Raids nachjagen und dabei mit zahlreichen Problemen zu kämpfen haben. Die Server gingen wieder in die Knie, obwohl man glauben sollte, dass Niantic aus alten Fehlern gelernt hat. Arena-Kämpfe brechen urplötzlich ab und immer wieder kommt die Meldung „Netwerkfehler“. Bei den Raids spielen sich die gleichen Probleme ab. Angriffe werden nicht angerechnet,Aausweichen ist nicht möglich und wieder schraubt Niantic an den Servern und an der App.

Aber trotz all den Problemen macht Pokémon Go Spaß, das Konzept funktioniert. Ob sich damit jedoch ehemalige Spieler zurückgewinnen lassen, wird die Zeit zeigen. Die wahnsinnigen Nutzerzahlen vom vergangenen Sommer wird Niantic wohl nie wieder erreichen. Ich werde zumindest auch weiterhin immer wieder auf die Jagd nach den kleinen Monstern gehen.
Lektoriert von Sabine L.


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