Was war das für ein Moment, als ich meinen ersten PC mit Windows 95 einschaltete, unglaublich für mich damals. Meine Mutter hat sich stets erfolgreich dieser Technik erwehrt und doch fand sie irgendwann Einzug bei uns. Mein erstes PC-Spiel war neben den Windows eigenen Spielen Sim City. Von Online-Gaming konnte ich damals nur träumen.

Heute hingegen spiele ich, wie wohl viele andere von euch auch, diverse Online-Spiele. Wie soll man heutzutage auch anders? Sprachchats sind gegenwärtig mehr als nur selbstverständlichund sind für schnelleres und besseres Teamplay essenziell geworden. Eigentlich alles ganz positiv, wäre da nicht auch die Schattenseite von Online-Spielen, Chats und Sprachchats: Hate Speech.

Wenn der Chat zum Schlachtfeld wird

Allzu oft erleben es heute viele Spieler, so auch natürlich ich, dass bereits die Lobbys zu einem Schlachtfeld werden, einem verbalen Schlachtfeld. Wüste Beschimpfungen, weil man einen Charakter oder einen Job spielt, der allgemein als schlecht angesehen wird oder weil das Spielerlevel zu niedrig ist oder, oder, oder. Diese Liste liese sich vermutlich in einem kleinen Brainstorming schnell auf ein DIN A4-Blatt erweitern.

Als Beispiel nehme ich mal meine gestrige Partie Paragon auf der PlayStation 4. Zusammen mit meinem Kollegen machten wir uns auf in den Draft (die Lobby von Paragon). Mein Kollege schnappte sich den Charakter Zinx für die Offlane (linker Pfad) und ich nahm Sparrow für den Sicheren Pfad (rechter Pfad). Ein anderer Spieler wählte Countess und wollte ebenfalls auf die Offlane. Natürlich haben wir den anderen Spieler aufgefordert einen anderen Charakter beziehungsweise eine andere Lane zu wählen, aber die Sturheit mancher Spieler in einem teambasierten Spiel ist schon beeindruckend.

Was nun folgte war leider ein einseitiger verbaler Konflikt: „Nein. Wähle du einen anderen Helden.“ und „Fuck u!“ waren nur ein Teil der Unterhaltung. Und das sollte erst der Anfang sein, wie uns später quasi schmerzlich klar wurde. Mein Kollege wechselte zu mir auf den Sicheren Pfad und dort waren wir dann auch total auf uns gestellt.

Das ist aber nur eine von diversen Situationen, die alleine ich schon fast täglich mehrfach erlebe. Ich denke es wird viele geben, die das Gleiche oder Ähnliches erleben und davon ein Lied singen können.

Der nie endende Kampf der Entwickler

Trotz aller Regeln und diversen Verhaltenskodizes gibt es viel zu viele Spieler, die sich in der Anonymität des Internets denken, sie können sich alles erlauben und herausnehmen.

Trotz aller Mühen der Spieleentwickler mit Wortfiltern, Sperrzeiten und Verbannungen sind die oftmals rassistischen, hetzerischen und diskriminierenden Chats und Sprachchats dennoch an der Tagesordnung in vielen Lobbys.

Ich weiß gar nicht, wie viele andere Spieler ich im Laufe meiner Lebensjahre gemeldet und somit einer Bestrafung zugeführt habe: Ob mir das innerliche Befriedigung bringt?

Das hängt tatsächlich von der Situation ab. Mal mehr, mal weniger, das kann ich kaum abstreiten. Schließlich sind es oftmals solche Spieler, die mir tatsächlich auch die Lust an dem einen oder anderen Spiel nehmen. Und wenn es mir so geht, wie geht es dann anderen? Wenn Spieler irgendwann ausbleiben, was wird wohl mit dem Online-Spiel passieren?

Die Entwickler kämpfen also nicht nur darum, den Spielern das größtmögliche Vergnügen zu bieten, sondern auch darum, die Spieler am Ball zu halten und somit das Spiel am Leben zu halten. Also eigentlich doch alles in unserem Interesse, wenn wir Gefallen an dem Spiel haben.

Fehlende Einsicht bei Spielern

Ob die Bestrafungen tatsächlich Wirkung zeigen und zu Einsichten bei Spielern führen, halte ich eher für fragwürdig. Wortfilter ersetzen bestimmte Wörter nur gegen Sternchen, Rauten oder Herzchen. Sperrzeiten können wehtun, aber sind oftmals genauso leicht zu umgehen wie Verbannungen. Viele Spieler machen sich halt für die Zeit der Sperrzeit einen weiteren Account und verbannte Spieler steigen ebenfalls mit einem neuen Account als vermeintlicher Anfänger in das Spiel ein.

Im Endeffekt sind Entwickler ebenso wie betroffene Spieler also quasi machtlos gegen die Fraktion Hate Speech. Eine Sperrung beziehungsweise Verbannung mag/kann eventuell wehtun, sofern der Spieler sehr viel Zeit oder sehr viel Geld investiert hat. Aber sind wir ehrlich, wer Spaß an dem Spiel hatte, bekommt damit eine neue Chance und Zeit ist eben nur Zeit und greift niemanden an den Geldbeutel.

Für betroffene Spielern bleibt also letztendlich weiterhin nur die Möglichkeit solche Spieler zu melden und innerlich einfach über die Dinge, die gesagt werden, zu stehen, während Entwickler den endlosen und scheinbar aussichtslosen Kampf für uns führen.

Lektoriert von Sabine L.
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