Review: Life is Strange: True Colors für PC

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Review Life is Strange: True Colors für PC
Life is Strange: True Colors ©Square Enix

Life is Strange: True Colors ist die langersehnte Fortsetzung der Life is Strange-Reihe. Erneut begleiten wir einen Charakter auf seiner Reise durch besonders schwere Zeiten und helfen ihm dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Welche emotionalen Eindrücke wir in diesem Spiel gewinnen konnten, erfahrt ihr hier.

Um was geht es in Life is Strange: True Colors?

Life is Strange: True Colors erzählt die Geschichte von Alex Chen, einer zunächst unscheinbaren jungen Frau. Neben einer emotionalen Vergangenheit und einer zerrissenen Familie belastet sie eine besondere Fähigkeit. Ihr extrem ausgeprägtes Empathievermögen erlaubt es ihr, die Gefühle und damit verbundene Erinnerungen anderer aufzunehmen und zu manipulieren.

Nachdem Alex ihren großen Bruder nach acht langen Jahren endlich wiedersieht, stirbt er bei einem sogenannten „Unfall“. Geplagt von Schuldgefühlen und einem ernsten Verdacht beschließt sie, ihre Fähigkeit zu verwenden, um an die Wahrheit hinter seinem Tod zu gelangen.

Auf ihrem Weg durch vergrabene Geheimnisse lernt sie das idyllische Bergbaustädtchen Haven Springs näher kennen und knüpft enge Freundschaften mit den dortigen Bewohnern. Alex muss jedoch feststellen, dass sie nicht die Einzige ist, die von starken Emotionen geplagt wird. So steht sie des öfteren am Scheideweg und ihre Wahl entscheidet das Schicksal der Stadt und ihr eigenes.

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Story

Die Geschichte von Life is Strange: True Colors beginnt in Haven Springs, einem kleinen Bergbaustädtchen in Colorado. Doch das vergnügliche Wiedersehen mit Alex‘ Bruder Gabe nimmt mit seinem plötzlichen Tod ein jähes Ende. Der „Unfall“ kommt völlig unerwartet und zerstört innerhalb weniger Sekunden die Atmosphäre, die über die erste Episode hin aufgebaut wurde. Das Ende bietet jedoch auch den Auftakt zu vier weiteren Episoden, deren Geschichte sich immer mehr zuspitzt und letztendlich in einem großen und unerwarteten Finale endet.

Noch zu Beginn des Spiels scheint Alex ihre Fähigkeit nicht unter Kontrolle zu haben und befürchtet, ihren Bruder dadurch von sich zu stoßen. Bereits am Ende des ersten Parts setzt sie ihr Empathievermögen gekonnt ein, um einen weiteren Unfall zu verhindern. Hatte die junge Frau in der vorherigen Szene noch Schwierigkeiten mit den Emotionen anderer umzugehen, kann sie sie in der anschließenden plötzlich manipulieren. Nicht nur lernt unsere Hauptfigur viel zu schnell mit der Fähigkeit umzugehen, sondern setzt sie seitdem auch perfekt ein, um ihr Ziel zu erreichen.

Die Story spitzt sich im Verlauf zu, indem unser Charakter die Geheimnisse der Stadt und die ihrer Bewohner aufdeckt. Der Höhepunkt liegt dabei auf dem Ende der vierten Episode, während Alex in der letzten das Mysterium enttarnt und ihre eigene Zukunft wählt.

Neben einer einzigartigen Geschichte hält Life is Strange: True Colors kleine, aber bedeutende Botschaften bereit. Diese gelten vor allem unsicheren Personen mit schwieriger Vergangenheit oder psychischen Problemen. Ziel soll es sein, auch in der aussichtslosesten Situation neue Kraft zu schöpfen und sich nicht von negativen Gedanken runterziehen zu lassen.

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©Square Enix

Charaktere

In Life is Strange: True Colors verkörpern wir Alex Chen, eine junge Frau, die nach dem Tod ihrer Mutter und dem Verschwinden des Vaters in mehreren Kinderheimen aufwuchs. Ihre traumatische Kindheit führte zu ihrem besonderen Empathievermögen, das sie zunächst als Fluch ansah und sich folglich in Therapie begab. Nach acht Jahren der Trennung zieht sie zu ihrem Bruder Gabe in das kleine Städtchen Haven Springs, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Gabe Chen lebt dort bereits seit geraumer Zeit und befindet sich in einer glücklichen Beziehung mit Charlotte Harmon, einer Künstlerin. Diese wohnt zusammen mit ihrem Sohn Ethan und unterstützt ihn dabei, seine künstlerische Ader auszuleben.

Steph Gringrich ist Junggesellin und vom ersten Moment von Alex beeindruckt. Sie betreibt den Plattenladen der Stadt, ist ein großer LARP-Fan und möchte nichts sehnlicher als Schlagzeug zu spielen und die Welt damit zu bereisen.

Ryan Lucan ist der beste Freund von Gabe und leidenschaftlicher Ranger und Naturliebhaber. Er liebt Biologie und trinkt nach getaner Arbeit gerne ein Bier im Pub seines Vaters Jed.

Jed Lucan, ehemaliger Minenarbeiter, wurde zum Helden der Stadt, nachdem er sieben Menschen bei einem Minenzusammensturz rettete.

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Alex und Gabe ©Square Enix

Synchronisation

Je nach Wahl erfolgt die Synchronisation in deutscher, englischer oder französischer Sprache. In der deutschen Version bringen die Sprecher ihre Emotionen deutlich zum Ausdruck und verleihen den Charakteren eine aussagekräftige, ikonische Stimme. Dabei überschneidet sich der Ton mit Mimik und Gestik, wodurch ein stimmiger Gesamteindruck entsteht.

Trotz der hohen Qualität der Vertonung scheint die Stimme von Alex Chen jedoch nicht hundertprozentig zu passen. Für das Auftreten und Aussehen der Hauptfigur hat die gewählte Sprecherin eine zu hohe Tonlage, die mich persönlich in einigen Szenen störte.

Spieldesign

Die Fähigkeit

Alex‘ Fähigkeit ist der Hauptbestandteil des Spieldesigns. Sie kann damit nicht nur die Emotionen anderer lesen, sondern auch mit Gegenständen interagieren. Egal ob eine Jacke oder getrocknete Rose, sobald sie mit einer farbigen Aura eingerahmt werden, können wir sie anschauen. In kurzen Sequenzen werden verschwommene Bilder gezeigt, die mit einer Synchronstimme unterlegt werden. Die meisten dieser Gegenstände schalten sogar Steam-Errungenschaften frei.

Die leuchtende Farbe offenbart die Art der Emotion. Dabei steht Rot für Wut, Lila für Verwirrung, Blau für Angst und Gelb für Freude. Lesen wir zuerst die emotionalen Gedanken einer Person und Sprechen anschließend mit ihr, wirkt sich das auf den Dialog und die Antwortmöglichkeiten aus.

Im Laufe des Spiels erhalten wir die Möglichkeit, nicht nur flüchtige Gefühle wahrzunehmen, sondern tauchen völlig in die Emotion des anderen ein. Sehen wir beispielsweise die Welt aus Eleanors Augen, legt sich ein schwacher blauer Schleier vor unser Sichtfeld. Besonders diese Szene ist so eindrucksvoll gestaltet, da sie das Empfinden einer demenzkranken Person wiedergibt. Wir können uns an die Arbeitsschritte nicht mehr erinnern, alle Wörter werden verdreht und die Umgebung erscheint uns düster und grau. Life is Strange: True Colors schafft es folglich, die Emotionen fiktiver Charakter, die aus dem realen Leben entnommen wurden, direkt an den Spieler weiterzuleiten.

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Das LARP Event

Dies ist ein Event, das die dritte Episode maßgeblich bestimmt. LARP steht für Live Action Role Play und beschreibt eine Veranstaltung, in der die Teilnehmenden in die Rolle eines fiktiven Charakters schlüpfen. Ethan, der Stiefsohn unseres verstorbenen Bruders, liebt Comics und träumt davon, seinen eigenen Helden zu verkörpern. Nachdem Steph kurzerhand beschlossen hatte, ein LARP nach Haven Springs zu holen, finden wir uns in der Rolle einer Bardin wieder.

Life is Strange: True Colors vermischt sich mit Pen & Paper-Rollenspiel und allem, was dazu gehört. Auf unserer epischen Quest drei Edelsteine zu finden, kämpfen wir gegen gefährliche Wildtiere, finden Gold und erlernen mithilfe von Schriftrollen neue Angriffe.

Durch das Event scheinen die Bewohner für einen Tag lang die schlimmen Ereignisse um den „Unfall“ zu vergessen und lassen uns in eine fantastische neue Welt innerhalb eines Spiels eintauchen.

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Die Beziehung

Alex lernt nach ihrer Ankunft im Bergdorf zwei Personen kennen, die ihre Gefühle auf besonders intensive Weise beeinflussen werden. Wir haben die Wahl zwischen Steph und Ryan, können uns aber auch gegen eine Romanze entscheiden. Bis zur vierten Episode können wir mit den richtigen Antworten bei beiden Sympathiepunkte gewinnen.

Am Frühlingsfest treffen wir dann unsere Wahl. Dazu geben wir dem oder der Auserwählten eine Rose und treffen sie anschließend auf dem Dach. Die Sympathie der beiden hat außerdem Auswirkung auf ihr Verhalten in der letzten Episode und auf eine mögliche gemeinsame Zukunft mit unserem Hauptcharakter.

Steph ist von den beiden am leichtesten zu durchschauen. Während des Kickerspiels fragt sie uns offen nach unserer sexuellen Orientierung und auf dem LARP Event können wir ihr dann unsere Hand anbieten. Lesen wir nun ihre Gefühle, würde sie nichts lieber tun, als uns zu daten und zu küssen.

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Die Entscheidungen

Ein Merkmal für alle Life is Strange-Teile sind die Entscheidungen, die wir im Laufe des Spiels treffen müssen. Diese unterscheiden sich zwischen großen und wegweisenden und eher kleinen mit geringer Auswirkung. Grundsätzlich hat unser gewählter Weg im Vergleich zu früheren Spielen keinen merklich großen Einfluss auf den Ausgang des Spiels. Wir bestimmen das Verhältnis der Personen zu uns und schaffen so Freundschaften oder kleine Feindseligkeiten. An der Storyline selbst können wir kaum etwas verändern.

Grafik und Sound

Life is Strange: True Colors schafft einen durchaus positiven Gesamteindruck. Die liebevoll kreierte Umgebung und die mühevoll gestaltete Animation der Charaktere lassen den Spieler völlig in die bunte Welt von Alex Chen eintauchen. Die Körper- und Lippenbewegungen erscheinen flüssig und stimmen mit der Synchronisation überein. Die Auren aus kräftigen Farben bringen das Empathievermögen gezielt zum Ausdruck und verbildlichen das emotionale Erlebnis des Charakters und im besten Falle auch des Spielers.

Der Sound hält sich eher im Hintergrund und wirkt dadurch unaufdringlich. Die gelegentlich eingespielten Soundtracks runden die Emotionen ab. Zur Musik gehören Lieder bekannter Bands wie Radiohead oder Kings of Leon, die eine eigene musikalische Welt innerhalb der Spiels schaffen und die Leidenschaft der Charaktere zu Schallplatten wiedergeben.

Präsentation

Life is Strange: True Colors ist als physische und digitale Version für PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series, Nintendo Switch und PC erhältlich. Neben der Standardvariante gibt es eine Deluxe und eine Ultimate Edition, die neben dem Spiel auch das DLC Wavelenghts beinhalten. Die Deluxe Edition enthält außerdem das Zombie Crypt-Outfit für Cloe und die Remastered Collection, bestehend aus dem ersten Life is Strange-Teil und Before The Storm.

Des Weiteren ist die Handelsversion zusammen mit einem Steelbook oder dem Logitech G435 Gaming-Headset käuflich zu erwerben. Das Cover zeigt die Hauptfigur Alex vor einem farbenfrohen Hintergrund. Dieser spielt auf ihre empathischen Fähigkeiten und den Titel des Spiels an.

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Hier gibt es weitere Gaming Reviews.

Life is Strange: True Colors
EntwicklerSquare Enix
PublisherDeck Nine
GenreAbenteuer
KonsolePlayStation 4, PlayStation 5, Xbox One, Xbox Series, Nintendo Switch, PC
Text/SpracheEnglisch, Deutsch und andere
Spieleranzahl1
Veröffentlichungsdatum9. September 2021
USK12
UVP59,99 €
Überblick der Rezensionen
Story/Atmosphäre
10
Charaktere
9
Synchronisation
8
Spieldesign
9
Balance
10
Grafik & Sound
10
Preis-Leistungs-Verhältnis
6
Gaming, Bücher, Konzerte/Festivals und meine CD-Sammlung sind meine Leidenschaften. Ich zocke am Pc und auf der Nintendo Switch. Dabei sind Shooter, Battle Royale, Renn- und Simulationsspiele meine Favoriten. Mein Lieblingsgame? Pokemon Platin und FlatOut 2 ♡
Life is Strange: True Colors nimmt uns auf eine emotionale Reise mit und vereint dabei eine mitreißende Story mit tiefen Botschaften. In fünf Episoden untersucht Alex den Tod ihres Bruders und deckt ihn in einem spannenden Finale auf. Ihre Fähigkeiten entwickelt sie zwar aus der Not heraus, jedoch viel zu schnell und ohne Möglichkeit auf Weiterentwicklung. Die Entscheidungen, die wir treffen, nehmen kaum merklichen Einfluss auf den Spielverlauf, erlauben uns jedoch, zwischen Freundschaft und Feindseligkeit zu wählen. Die Szenerie einer idyllischen Bergbaustadt wird konsequent und liebevoll umgesetzt. Das Spiel bietet ein neues und emotional sehr aufregendes Erlebnis, das jeden Fan des Franchises auf die eine oder andere Art und Weise mitnehmen wird. Der Preis der Standard Edition mit 59,99 € ist für eine Spielzeit von zehn Stunden jedoch nicht gerechtfertigt.review-life-is-strange-true-colors-fuer-pc
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