Auf der diesjährigen SPIEL Essen haben wir das berühmte Battle-Royale-Spiel Apex Legends als Brettspiel entdeckt und haben natürlich die Gelegenheit nicht ungenutzt gelassen, ein kurzes Interview zu führen, in dem das Spiel vorgestellt wird.
Erstmal zu euch als Publisher: Wer seid ihr und was macht ihr?
Wir sind Elznir Games, ein Studio, ähnlich wie in der PC-Branche auch, das Übersetzungs- und Lokalisationsleistungen anbietet für das Studio, das eigentlich JoeKas World heißt. JoeKas World ist dann der Vertrieb für Brettspiele, aber die Partner kommen auf uns zu und sagen, sie hätten ihr Spiel gerne auf Deutsch übersetzt. Das ist dann der Punkt, an dem wir sowohl übersetzen als auch vertreiben können. Das ist die Aufgabe von Elznir Games.
Alles klar jetzt wo wir euch kennengelernt haben, zurück zum Spiel: Das Spiel ist ja eine Adaption des Computerspiels. Wie darf man sich vorstellen, wurde das gemacht? Einfach ein bestehendes Spiel genommen und mit dem Apex-Legends-Logo versehen oder wie darf man sich das vorstellen?
Zu dem Entwicklungsprozess kann ich tatsächlich nicht viel sagen, da wir, wie erwähnt, lediglich für die Übersetzung zuständig sind und unser Partner, der das Spiel entwickelt hat, Glass Cannon, auf uns zukam und das Spiel übersetzt bekommen wollte. Dieser Partner hat sich auf Videospiele als Brettspieladaptionen spezialisiert. Bekannte Beispiele, die sie entwickelt haben, sind Dying Light, Don’t Starve, Frostpunk ist von denen, und es kommen noch weitere, die ich im Moment noch nicht nennen kann, aber auch von sehr bekannten, gut gehypten Marken.
Das sind diejenigen, die dann an die Videospielpublisher herantreten und ihr Videospiel in ein Brettspiel umwandeln und über die damit einhergehenden Lizenzen verhandeln. Anschließend suchen sie sich dann Partner, die die Übersetzung übernehmen – also solche wie uns – und so sind wir auch Stammpartner von Glass Cannon geworden.
Es ist für uns schwer vorstellbar, wie ein Battle-Royale-Shooter in ein Brettspiel umgewandelt werden kann, insbesondere mit dem „Letzter-Überlebender“-Spielprinzip. Wie kann man sich das vorstellen und wie läuft so ein Spiel ab?
Also erstmal zum Grundprinzip: Im originalen Videospiel sind Legenden enthalten, aus denen man anfangs auswählen kann. Von diesen genannten Legenden sind im Grundspiel sechs enthalten. Es gibt dementsprechend noch Erweiterungspakete mit weiteren Legenden. Jede Legende hat bestimmte Fähigkeiten, sei es Portale erschaffen, Fährten lesen, Giftnebel erzeugen oder Ähnliches.
Diese Aspekte wurden hier einerseits implementiert, und auch das Thema wurde hier eins zu eins umgesetzt. Das Thema ist nämlich auch hier Battle Royale – also Last Man Standing. Wir kämpfen so lange, bis nur noch einer übrig bleibt.
Vom Spielerischen her reden wir im Brettspielbereich bei diesem Spiel von einem Tabletop-Skirmish-Spiel. Es gibt Vertreter, in denen auf einem riesigen Tisch große Armeen aufgebaut werden, die dann gegeneinander in die Schlacht ziehen und bei denen mit Maßband und ähnlichen Hilfsmitteln die Entfernungen der Figuren zueinander gemessen werden und so Kämpfe ausgetragen werden.
Das ist bei diesem Spiel ähnlich – mit dem Unterschied, dass beim Skirmish-Aspekt keine Armeen aufeinandertreffen, sondern nur kleine Teams oder Einzelfiguren kontrolliert werden.
Jeder Spieler kontrolliert demnach nur ein bis zwei Legenden, die mit ihren speziellen Fähigkeiten daherkommen. Über Karten wird dann festgelegt, welche Schüsse abgegeben wurden. Es gibt unterschiedliche Waffen mit verschiedenen Loadouts, die entweder vorgefertigt sind oder über Plättchen von euch selbst konfiguriert werden können – beispielsweise mit einem anderen Schaft, einem anderen Visier oder einem anderen Magazin.
Der Battle-Royale-Modus kommt bei dem Spiel durch entsprechende Schirme zum Ausdruck. Das ganze Spiel ist in gleichmäßige Vierecke unterteilt und die Zone fängt – genauso wie im Videospiel – am äußeren Rand an. Mit Hilfe von gezogenen Karten wird dann die Richtung der Zone festgelegt. So wird das Spielfeld immer kleiner und kleiner und die Spieler sind entsprechend gezwungen, sich immer weiter in den Kreis zu bewegen, weil es – wie im Computerspiel auch – sonst Schaden gibt.

Die Gebäude im Brettspiel werden ebenfalls dreidimensional, also nach oben gebaut, sodass richtige Sichtlinien entstehen. Man kann extra Schaden durch Kopfschüsse zufügen, manche Legenden können einen Versorgungsabwurf herbeiholen, bei dem das Team sich dann neue Ausrüstung herausnehmen kann. Es spawnen auch überall neue Versorgungskisten, in denen man neue Ausrüstung und Waffen finden kann. Also zusammengefasst: Alles, was im Computerspiel enthalten ist, findet sich auch in irgendeiner Form im Brettspiel wieder.
Selbst teilweise die Extra-Modi, die zeitweise in Apex Legends verfügbar waren, werden durch Erweiterungen zum Grundspiel hinzugefügt – was viele Fans lieben.
Wie sieht es mit der Zielgruppe aus? Klar werden hier Apex-Legends-Spieler direkt angesprochen, aber geht das auch über diese Gruppe hinaus oder ist es speziell für sie entwickelt?
Wir versuchen ganz klar, nicht nur die Apex Legends-Spieler zu begeistern, sondern auch generelle Skirmish-Spieler anzusprechen, die Spiele wie Kill Team oder ähnliche Titel spielen, die schon ewig lange auf dem Markt sind – aber natürlich auch die Apex-Spieler, die sagen, sie wollen eine Abwechslung zum PC-Titel und lieber in einer Runde mit Freunden am Tisch um den Sieg kämpfen.
Für wie viele Spieler ist es denn ausgelegt?
Das Spiel ist für zwei bis sechs Spieler konzipiert.
Wie sieht’s denn mit dem Erscheinungsdatum aus? Ist es bereits erhältlich?
Es ist bisher noch nicht erschienen und wir hoffen, dass es bis Weihnachten verfügbar sein wird. Es befindet sich zumindest schon auf dem Transportweg zu uns.
Kann man denn irgendwo nachschauen, wann es verfügbar sein wird?
Sobald es neue Entwicklungen gibt, wird es auf unserer Webseite veröffentlicht.
Welche Erweiterungen gibt es denn sonst noch zum Grundspiel?
Neben den extra Squads, die euch neue Legenden bescheren, und den zusätzlichen Spielplänen gibt es auch noch eine Solo- und Koop-Erweiterung. Man kann das Spiel also auch alleine spielen – dann hat man eine Art kartengesteuerte KI, die die Gegner kontrolliert.
Wie würdest du denn die Zukunft des Apex-Legends-Brettspiels einschätzen? Derzeit befindet es sich ja noch in der ersten Phase. Gehst du davon aus, dass dort noch viel mehr Inhalte kommen werden?
Genau kann ich es nicht sagen, weil wir, wie gesagt, nur der deutsche Lokalisator sind. Aber es gibt im Videospiel ja noch viele weitere Legenden, und wenn das Brettspiel auf dem Markt gut angenommen wird und großen Zuspruch erhält, kann ich mir gut vorstellen, dass uns dort noch einiges an Content erwarten wird. Auch anhand der Namen der Erweiterungen „Squad 1“ und „Spielplan 1“ wird deutlich, dass dort noch Potenzial für weitere Teile besteht.
Wie sieht es denn mit der Spielzeit für so ein Spiel aus?
Auf der Verpackung steht zwar „eine Stunde“, aber das ist gerade in dem Genre schwierig einzuschätzen, weil – wenn man die Regeln nicht kennt und immer wieder nachschauen muss – sich das enorm in die Länge ziehen kann. Man muss bedenken, dass das Spiel ein ungefähr 50-seitiges Regelwerk mit sich bringt.
Könnte man denn sagen, dass es dennoch einsteigerfreundlich ist oder gibt es da bessere Alternativen?
Ob es bessere Alternativen im Skirmish-Bereich gibt, weiß ich persönlich nicht, aber Tabletop-Spiele kommen immer mit einem sehr umfangreichen Regelwerk. Das bedeutet, dass es für absolute Neulinge immer die größte Hürde ist, einzusteigen. Wenn man aber einmal im Spielprinzip drin ist – vor allem, wenn man eine gute Community hat, die es einem zeigt – dann ist man sehr schnell drin.
Für Casual-Apex-Spieler oder einfache PC-Spieler, die sich statt eines Zockerabends am PC dazu entscheiden, sich dieses Spiel zu holen: Ist die Anleitung dennoch leicht verständlich und nachvollziehbar oder eher aufwendig und komplex?
Nein, die Anleitung ist sehr verständlich verfasst und strukturiert. Wir haben viele Erklärungen mit bebilderten Beispielen, die unterschiedliche Situationen thematisieren, sodass auch absoluten Neueinsteigern ein angenehmer Einstieg ermöglicht wird. Bevor man in ein richtiges Spiel eintaucht, gibt es auch farblich markierte Einsteigerregeln für das Einsteigerspiel, sodass man nicht von allen Regeln auf einmal überrollt wird. Es ist am Ende aber dennoch viel, und man muss wirklich wollen, das Spiel zu lernen. Wenn man es einmal gelernt hat, ist es aber nicht mehr so kompliziert.
Richtet sich das Spiel eher an Gamer, die wirklich interessiert an dem Setting sind, oder auch an Familien, die gerne gemeinsam einen Spieleabend ausrichten?
Eine äußerst schwierige Frage – das kommt ganz darauf an, was sonst so gespielt wird. Wenn man eher etwas in Richtung Mensch ärgere dich nicht gewohnt ist, würde ich die Finger davon lassen. Das führt sonst nur zu Frust und Langeweile. Wenn das aber Vielspieler sind, die auch vor den Kennerspielen des Jahres nicht zurückschrecken, könnten sie sich das Spiel mal anschauen und hätten sicher auch ihren Spaß daran.
Also eher was für Strategiefanatiker, kann man sagen?
Ja, genau. Man muss halt die Geduld haben, sich durch ungefähr 50 Seiten Regeln durchzukämpfen. Wenn man bedenkt, ein einfaches Spiel für einen durchschnittlichen Spieler hat ungefähr fünf bis acht Seiten Regelwerk – hier ist das dann schon das Fünf- bis Zehnfache davon, übertrieben gesagt.
Zusammenfassend also richtet sich das Spiel sowohl an Vielspieler, die mal etwas Neues ausprobieren wollen mit Battle-Royale-Elementen, als auch an Interessierte, die Lust darauf haben und nicht vor dem 50-seitigen Regelwerk zurückschrecken.
Im Hinblick auf die Zukunft: Welche Brettspieladaptionen von Videospielen können wir denn noch erwarten?
Derzeit befindet sich Dying Light schon in dem Prozess der Übersetzung und es wird voraussichtlich im Laufe von 2026 an den Start gehen.
Im Jahre 2027 versuchen wir die Brettspieladaption von Don’t Starve auf den Markt zu bringen.
Vielen Dank an Elznir Games für das aufschlussreiche Interview. Hier findet ihr nochmal deren offizielle Seite verlinkt.
Hier sind weitere Interviews von der diesjährigen SPIEL Messe.








