Ein Boss-Battler in modernerem Stil erwartet euch bei Boss Fighters QR, denn hier wird euer Tablet zum Bossgegner und der ganze Tisch zum Spielbrett.
Um was geht es in Boss Fighters QR?
Boss Fighters QR wird als Hybridspiel beschrieben. Das bedeutet, dass das eine Mischung aus Karten-, Brett- sowie digitalem Spiel ist. Das Besondere an diesem Boss-Battler ist nämlich die Art, wie ihr euch den Bossen entgegenstellt. Dies funktioniert nämlich ausschließlich durch QR-Codes auf den Kartenrückseiten. Somit kämpft ihr ausschließlich mit Karten gegen die verschiedenen Viecher.
Story
Jeder Boss wird mit einem kurzen einleitenden Text beschrieben. Eine richtig zusammenhängende Story gibt es zwar nicht, aber dennoch ist jede Beschreibung der Bossgegner ein schöner Einstieg in die Runde.
Daneben gibt es keinerlei Story mehr. Weder eure Charaktere bekommen eine gewisse Persönlichkeit noch wirken sich eure Fähigkeiten in irgendeiner Weise auf die Story aus.
Spielablauf und Spielelemente
Spielvorbereitung
Anfangs nimmt sich jeder Spieler eine Rasse sowie eine Klasse. Das legt sowohl eure Rolle in der Gruppe fest als auch die Zahl der Waffen und der Ausrüstung, die ihr am Anfang der Runde auf der Hand haben dürft. Dabei ist es völlig egal, welche Kombination aus Rasse und Rolle ihr wählt.
Zur Wahl stehen bei den Rassen der Troll, die Elfe, der Halbling und der Zwerg. Bei den Klassen könnt ihr zwischen, Druide, Schurke, Magier oder Krieger wählen.
Spielbeginn
Sobald ihr euch dann für eine Rasse und Klasse entschieden habt, kann es auch schon mit dem Tutorialspiel losgehen. Positiv anzumerken finde ich hier den seichten Einstieg, der durch die Spiel-App geboten wird. So müsst ihr euch nicht durch endloses Regelwerk kämpfen, sondern könnt nach dem Einrichten der Boss Fighters QR-App die ersten Schritte von der App erklären lassen. Das funktionierte soweit auch tadellos in unserem Spieldurchlauf. Die Karten wurden zuverlässig erkannt, die Reaktionen adäquat ausgeführt und das Spielprinzip kam sehr schnell bei uns an.
Kämpfe
Während die Schlacht anfangs noch recht simpel abläuft, so zieht der Schwierigkeitsgrad beim zweiten und dritten Boss durch Zusatzeffekte und Fähigkeiten merklich an. Um jetzt nicht viel Überraschung vorweg zu nehmen, halte ich diesen Punkt recht oberflächlich, denn unsere Gruppe wurde bereits das ein oder andere Mal hinters Licht geführt.
Allgemein kann man sagen, dass sich der Kampf in drei Schadensklassen einordnen lässt: Fernkampf-, Nahkampf- und Magieschaden. Dabei spielen die Symbole auf den Karten eine wichtige Rolle, denn nicht jeder Angriff ist sinnvoll und da kommt dann die Kommunikation mit den anderen ins Spiel.

Das ist gleichzeitig auch einer der wesentlichen Faktoren in Boss Fighters QR. Dadurch, dass dort jeder jedem Helfen kann und Fähigkeiten aufeinander projiziert werden können, müsst ihr euch als Gruppe taktisch geschickt absprechen, um mit so wenig Schaden wie möglich aus dem Kampf zu kommen.
So macht es beispielsweise Sinn, bei einigen Bossen nur auf eine Schadensart zu gehen und dementsprechend möglichst schnell die Schilde der jeweiligen Schadensart zu durchdringen, damit etwas von seinen Leben abgezogen wird.
Das Brechen der genannten Schilde kann jedoch auch nachteilig sein, da beim Bruch unterschiedliche Effekte je nach Boss und Schadensart zum Tragen kommen können.
Es wird, denke ich deutlich, dass Absprache und Koordination im Kampf eines der Kernelemente von Boss Fighters QR darstellt.
Schwierigkeitsgrade
Ein ebenfalls praktisches Feature, wie ich finde, ist die Einstellung der Schwierigkeit eines Bosses. Dabei habt ihr von sehr einfach bis extrem schwer alles enthalten. Dazu sei noch gesagt, dass diese Schwierigkeitsgrade auch sehr zuverlässig anziehen. Während wir den ersten Boss auf dem leichten Schwierigkeitsgrad beim ersten Versuch problemlos erlegen konnten, so wurde es beim zweiten auf „normalem“ Schwierigkeitsgrad schon wesentlich anspruchsvoller und vor allem knapper.
Ein weiterer positiver Aspekt ist die stetig anwachsende Zahl an neuen Spielelementen. Anfangs startet ihr lediglich mit der grundlegenden Ausrüstung, die euch eure Rassen- und Kartenfähigkeiten bieten, doch mit zunehmendem Kampagnenverlauf erkämpft ihr neue Schatztruhen, die neue Ausrüstung in Form von weiteren Karten für euch beinhalten. Das macht das Spiel wesentlich interessanter, da auf diese Weise neue Spielmechaniken nach und nach dazukommen, die völlig neue taktische Optionen mit sich bringen.
Wiederspielwert
Ein Punkt, bei dem ich sehr zwiegespalten bin, ist der Wiederspielwert des Spiels. Einerseits ist das ein sehr außergewöhnliches Spielkonzept, sowohl mit den Karten mit dem QR-Code auf der Rückseite als auch die verschiedenen Bosskämpfen und ihren Tücken, die einen wirklich gut täuschen können, aber andererseits bin ich mir unsicher, ob das Spielprinzip auf Dauer wirklich Bestand haben kann.
Für diejenigen, die Spiele lediglich ein Mal durchspielen und dann genug davon haben, ist das definitiv eine klare Empfehlung wert, doch bei Vielspielern, die gerne neue Taktiken entwickeln, kann ich aus den folgenden Gründen keine vollumfängliche Empfehlung aussprechen:
- Neue Mechaniken: Da beim ersten Spieldurchlauf alles unbekannt ist und jeder neue Boss gleichzeitig eine neue Mechanik mit ins Spiel bringt, bleibt es von Runde zu Runde spannend und man versucht die neue Mechanik aufs Neue zu verstehen, um gemeinsam Gegenstrategien zu schmieden. Dieser Punkt entfällt bei mehrmaligem Spielen vollends.
- Neue Ausrüstung: Die Ausrüstung ist ähnlich wie bei jedem Storyspiel bei jedem neuen Spieldurchlauf gleich. Im Endeffekt ändert sich beim neuen Anlauf nichts, bis auf eure Klassen- und Rassenkombination.
- Klassen- und Rassenkombination: Ein Punkt, der für den Wiederspielwert spricht, ist die neue Kombination aus Klasse und Rasse. Wobei ich auch hier sagen muss, dass wenn sich Klasse und Rasse ändern, eure Spielergruppe aber gleich bleibt, sich auch hier rein strukturell nichts Wesentliches ändert.




Der stärkste Aspekt, der den Wiederspielfaktor in die Höhe treibt, ist aus meiner Sicht nur der anpassbare Schwierigkeitsgrad. Solltet ihr das Spiel auf normal gemeistert haben, so bietet es sich an, neue Schwierigkeitsgrade auszutesten, gerade weil ihr dann alle Monster mit ihren Fähigkeiten und Tücken kennt. Wer aber nach dem ersten Spieldurchlauf neue Inhalte erwartet, wird enttäuscht.
Ein weiterer Punkt, den ich hier in der Wertung aber neutral halten werde, da das Spiel darauf basiert, ist die zwingende App-Anbindung. Einerseits ist es eine willkommene Abwechslung mal kein klassisches Spielbrett auf dem Tisch liegen zu haben, sondern alles digital auszuspielen und somit dann auch Echtzeittipps und hübsche Animationen zu erhalten.
Andererseits drängt sich mir aber die Frage nach der Langlebigkeit des Spiels auf. Zwar ist das durchaus ein interessantes Konzept mit den QR-Codes auf der Kartenrückseite, doch ist das Spiel damit gleichzeitig ohne die App nutzlos. Sollte also irgendwann einmal die App eingestellt werden, ist auch das Spiel in eurem Schrank nichts weiter als ein Staubfänger.
Als letzte Sache, die ich noch etwas schade finde, ist die magere Inhaltserweiterung bei der App von Boss Fighters QR. Gerade bei einem Konzept wie diesem würden sich aus meiner Sicht Event-Updates und weitere Event-Aktivitäten durchaus sehr gut anbieten und die Wertigkeit des Spiels immens steigern. Sowas würde gerade dem Spiel ein einzigartiges Alleinstellungsmerkmal verleihen, das in der Form kein zweites Spiel hat. Leider wurden bisher aber nur die zehn Bosse implementiert und sobald diese besiegt wurden, gibt es seitdem auch keine neuen Inhalte oder Modi.
Artworks und Verarbeitung

Die Artworks sind in hübscher Cartoon-Optik gehalten und teils humoristisch dargestellt, sei es „Omas Helm“ beim Zwerg als Schutzausrüstung oder „Opas Gürtel“ beim Krieger. Überall findet ihr so kleine humorvolle Andeutungen, dass ihr euch jetzt nicht gerade mit nobler „Excalibur“-Ausrüstung auf die Bosse stürzt.
Insgesamt sind aber die Artworks sowohl auf den Karten als auch auf der Verpackung und der App recht schön gelungen und lassen sich auch thematisch gut miteinander verbinden.
Was die Verarbeitung angeht, kann ich nichts Gravierendes feststellen. Es ist merkbar, dass das ein vorwiegendes Kartenspiel ist, gerade weil die Lagerungsboxen und Schatzkisten aus dünnem Papier gemacht sind und es bis auf die gängigen Schadensmarker und spielerunabhängigen Ausrüstungsgadgets keinerlei Kartonteile enthält.
Ein Aspekt, der negativ aufgefallen ist, ist der Lebensanzeiger eures Helden, der wirklich sehr leichtgängig ist. Dafür, dass Boss Fighters QR auf mehrere Sessions ausgelegt ist, in denen der Lebensanzeiger zwingend zum Einsatz kommt, ist die extreme Leichtgängigkeit eher störend als fördernd, da durch das wiederholte Auspacken und Einräumen dessen unbeabsichtigt Leben abgezogen und hinzugefügt werden. Deswegen wäre meine Empfehlung, nach jeder Session die verbleibenden Leben nochmal separat aufzuschreiben, da auf diesen Punkt aus meiner Sicht kein Verlass ist.
Alles in Allem ist die Verarbeitung zwar solide, gleichzeitig jedoch nicht wirklich herausragend in irgendeinem Sinne. Gerade bei Gelegenheitsspielern sollte diese dennoch mehr als ausreichend sein.
Präsentation
Verpackungstechnisch ist Boss Fighters QR ein richtiger Hingucker. Mit den spielbaren Helden in der Mitte, die von den verschiedenen Bossen drumherum attackiert werden, ergibt sich ein wirklich episches Bild. Zusätzlich mit dem leicht fantasy-angehauchten Schriftzug, der das Spiel bezeichnet, entsteht ein wirklich rundes Gesamtbild, das nicht nur schön im Regal aussieht sondern auch neugierig macht, wenn es im Laden gesehen wird.
Auf der Rückseite wird das Spiel wie gewohnt etwas genauer erklärt, sodass ihr erfahrt, was euch in der Verpackung inhaltlich sowie spielerisch erwartet. Insgesamt wirkt das Verpackungsbild sehr stimmig und macht direkt Lust auf mehr.

Fazit
Boss Fighters QR ist ein wirklich außergewöhnliches Hybridspiel, das nicht nur Spielspaß mit sich bringt, sondern auch für eine gehörige Portion Herausforderung sorgt. Insgesamt ist es sowohl für Gelegenheitsspieler als auch für Herausforderungsambitionierte geeignet. Nur die Langlebigkeit sowie der Wiederspielwert von Boss Fighters QR sind für mich schwierig einzuschätzen.
Ein herzliches Dankeschön geht an Pegasus für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Boss Fighters QR.
| Infobox | Boss Fighters QR |
|---|---|
| Verlag: | Pegasus |
| Spieldesign: | Michael Palm, Lukas Zach |
| Illustration Cover: | KRASS KOLLEKTIV (Artur Fast, Timo Mimus, Maximilian Jasionowski) |
| Genre: | Hybridspiel, Kartenspiel |
| Spielzeit: | 40 bis 60 Minuten |
| Text: | Deutsch |
| Spieleranzahl: | 2 bis 4 |
| Veröffentlichungsdatum: | 2025 |
| Alter: | 10+ |
| UVP: | 42,00€ |












