Brettspiel Review: Helden müssen draußen bleiben!

- Lektoriert vonSabine
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Brettspiel Review: Helden müssen draußen bleiben! - Beitragsbild
Helden müssen draußen bleiben! ©Luís Brueh

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie es den Monstern in einem Dungeon geht, wenn ihr es betretet? Dann könnte Helden müssen draußen bleiben! etwas für euch sein.

Um was geht es in Helden müssen draußen bleiben!?

In Helden müssen draußen bleiben! sind die Rollen eines Dungeoncrawlers umgekehrt. Nicht ihr geht in ein Dungeon und metzelt euch durch die etwaigen Räume, sondern ihr seid die Monster und müsst verschiedene Helden davon abhalten, in euren Dungeon einzudringen und den Schatz zu stehlen.

Was auf Anhieb einfach klingt, entpuppt sich jedoch teils komplexer als anfangs erwartet, denn die unterschiedlichen Heldenklassen können einem schon zu schaffen machen.

Story

Eine komplett zusammenhängende Story ist in dem Spiel zwar nicht enthalten, doch bietet jedes spielbare Szenario seinen eigenen Kniff. Beim ersten spielbaren Szenario erwartet euch beispielsweise eine Hexe im Heldendeck, die gerne Froscheintopf hätte. Deswegen müsst ihr in der ersten Mission neben dem Verteidigen des Dungeons zusätzlich einen Frosch in den Hexenraum bringen und solange dort behalten, bis die Hexe kommt, um den Frosch in den Topf zu werfen. Das ist nur ein Ausschnitt aus den vielen verschiedenen Mechaniken, die in Helden müssen draußen bleiben! zum Tragen kommen.

Spielablauf

Zu Beginn wird aus dem Szenariobuch eine Szene ausgesucht und mit den entsprechenden Raumplättchen nachgebaut. Anschließend werden die Schätze nach der Anleitung verteilt, die eigenen Monster ausgesucht und noch die Beuteauslage aufbaut.

Brettspiel Review: Helden müssen draußen bleiben! - Beispielbild Spielplan
Helden müssen draußen bleiben! Spielplan ©Luís Brueh

Monster

In Helden müssen draußen bleiben! gibt es unterschiedliche Arten von Monstern, die von euch gespielt werden können. Jedes Monster hat dabei auch eigene Spieltechniken, die in der Anleitung als Tipp angezeigt werden. Zwar könnt ihr die auch anders spielen, doch sehr empfehlenswert ist es nicht, da jeder im Team seine eigene Rolle hat, sodass die unterschiedlichen Wesen sich gegenseitig ergänzen können.

Ein kleines Manko wie ich festgestellt habe, ist, dass insbesondere bei den leichteren Schwierigkeitsgraden nicht jedes Monster gleich viel Freude bringt beziehungsweise den gleichen Nutzen hat. Während der eine eine ausgeklügelte Taktik entwickelt und mit Strategie die Helden einem nach dem anderen abwehrt, gibt es auch Monster mit einfachen Hit and Run-Mechaniken, die kaum bis garkein Können voraussetzen, sondern lediglich auf stumpfe Gewalt setzen. Der Kritikpunkt ist aber fairerweise vermeidbar, wenn ihr euch ausführlicher mit den unterschiedlichen Rollen und Klassen befasst und die Spielmechanik kennengelernt habt.

Rollen

Die spielbaren Wesen sind dabei in drei verschiedene Rollen eingeteilt: Angriff, Verteidigung und Unterstützung.

Während die Angreifer die Schadensverteiler sind, deren Taktik darauf beruht, reinzurennen, auszulöschen und zu entkommen oder zu sterben, sind die Verteidiger eher passiv unterwegs und können beispielsweise Fallen legen. Die Unterstützer haben die Möglichkeit, verschiedene Bereiche der anderen Helden etwas zu erleichtern, wie die Hexe mit ihren Portalen, die zwei weit entfernt liegende Räume miteinander verbinden können.

Schwierigkeitsgrade

Abseits des Aufbaus müsst ihr euch noch für einen der drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden entscheiden. Dabei wird das Spiel auch merklich schwerer, wodurch auf höheren Schwierigkeitsgraden eine präzise Abstimmung aufeinander nötig ist und eine passende Kombination aus ergänzenden Klassen wünschenswert wäre.

Spielbeginn:

Aktionen

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen wurden, beginnt das Spiel und jeder zieht fünf Karten von seinem Aktionsstapel. Darauf befinden sich dann entsprechende Symboliken, die die verschiedenen Aktionen für den Spieler anzeigen. Jedes Monster hat dabei eigene Karten mit eigenen Bedeutungen. Beispielsweise hat der Drache eine mögliche Fernkampfattacke, kann sich im Falle eines Angriffs der Helden aber auch selbst verteidigen.

Skelette haben dafür enorm viele Vervielfältigungskarten wie es von Skeletten bekannt ist – sie kommen schließlich selten alleine daher.

Brettspiel Review: Helden müssen draußen bleiben! - Beispielbild Aktionskarte
Helden müssen draußen bleiben! Aktionskarten ©Luís Brueh

Genauso zieht sich das für alle Monster durch.

Räume

Neben den Aktionskarten habt ihr auch die Möglichkeit, Raumaktionen zu nutzen, denn jeder Raum hat ebenfalls eine spezielle Funktion. So können im Streichelzoo Knochen umgetauscht werden, mit denen Haustiere in die eigenen Aktionskarten hineingelegt werden, sodass weitere oder mächtigere Aktionen in den nächsten Zügen vollbracht werden können. Aus dem Frosch von der Kanalisation können Tränke gebraut werden, die ebenfalls spezielle Eigenschaften mit sich bringen und so gibt es eine breite Auswahl an Möglichkeiten bei der Kombination aus Aktions-, Haustier- und Gegenstandskarten sowie den Raumaktionen. Während ihr in dem einen Raum Gegenstände bekommt, könnt ihr im anderen Raum diese Gegenstände in wertvolle Fähigkeiten oder Karten tauschen – vorausgesetzt ihr schafft es, den Gegenstand ungestört vom einen in den anderen Raum zu bringen.

Brettspiel Review: Helden müssen draußen bleiben! - Beispielbild Raumaktion
Helden müssen draußen bleiben! Raumaktion ©Luís Brueh

Ein interessanter Raum, wie ich finde, ist die Gefängniszelle, in die ihr den Helden, der bei dem Zug einen Raum betreten würde, hineinsteckt. Das gibt euch nämlich zusätzliche Aktionen, die in vielen Situationen äußerst nützlich sein können. Doch Vorsicht, denn zu oft darf diese Mechanik nicht genutzt werden, da sich die eingesperrten Helden zwar nicht von selbst befreien können, solltet ihr aber einen Magier aufdecken, befreit er alle eingesperrten Helden auf einmal. Das bedeutet, dass alle unbewegten passiven Helden auf einmal aktiviert werden und gleichzeitig auf die Schatzkammer zustürmen. Solltet ihr also viele Helden auf einmal da drin gehabt haben, könnte das schon spielentscheidend sein.

Helden

Die Helden kommen dabei durch einen Kartenstapel ins Spiel. Auf einem gesonderten Bereich wird anfangs jede Runde eine Karte aufgedeckt, die den Helden zeigt und in welchem Raum er erscheint. Dabei hat jede Heldenklasse auch heldenspezifische Fähigkeiten.

So kann der Krieger herumliegende Gegenstände aus dem Raum stehlen, was dazu führt, dass euch beispielsweise ein wichtiger Gegenstand, den ihr mitnehmen wolltet, abhanden kommt. Der Bogenschütze kann einen Fernkampfangriff in Richtung des Schatzes ausführen, sodass ihr nicht mit ihm in einem Raum sein müsst, um Schaden zu nehmen, für den Schurken sind Fallen kein Risiko, da er die beim Betreten des Dungeons entschärfen kann, und der Magier kann, wie erwähnt, alle aus dem Kerker befreien, vorausgesetzt es wird versucht ihn dort einzusperren.

Die Bewegung der Helden geht dabei rein systematisch, wie in der Anleitung beschrieben, vonstatten. Wenn sich kein Schatz im Raum befindet, bewegen sie sich weiter, sollte einer darin sein, für den zwei oder mehr Helden benötigt werden, so wartet der jeweilige. Der Kampf ist auch überraschend unspektakulär gestaltet, indem ihr lediglich die Aktion Angriff ausführt und euer Gegner damit gleichzeitig verschwindet.

Der Fokus wurde dabei merklich auf die Strukturierung und Planung der Monster gesetzt, um die Helden möglichst lange auszubremsen oder auszuschalten. Das Hauptaugenmerk liegt nicht auf einer besonders ausgeklügelten Kampfmechanik, bei der darauf geachtet werden muss, ob man getroffen hat oder nicht.

Nach der Hälfte des Spiels, also sobald der Heldenstapel einmal abgearbeitet wurde, dreht ihr das Heldentableau um und die zweite Heldenphase startet, bei der Helden müssen draußen bleiben! nochmal an Schwierigkeit zunimmt, da ihr jetzt zwei Heldenkarten statt einer ziehen müsst. Somit kommen zwei Helden pro Runde, die abgewehrt werden müssen und zwei Fähigkeiten finden gleichzeitig statt, was das Level an Kommunikation und Koordination nochmal anzieht. Auf diese Weise bleibt es bis zum Ende hin spannend und es entsteht ein dynamischer Rundenablauf, der unvorhergesehene Wendungen nehmen kann.

Artworks und Verarbeitung

Die Artworks sind durchwegs cartoonartig und niedlich gehalten. Kleine Holzfiguren, die teils an Kinderspielzeug erinnern, sowie die bunten Karten präsentieren sich in einem poppigen, grellen Cartoonlook, der als schöner Blickfang dient. Auch die niedlichen Begleiter, die im Verlauf des Spiels gesammelt werden können, die Gegner und die Accessoires ordnen sich konsequent einem klaren Thema unter: Cartoonstil und Niedlichkeit.

Brettspiel Review: Helden müssen draußen bleiben! - Beispielbild Figuren
Helden müssen draußen bleiben! Figuren ©Luís Brueh

Auch die Verarbeitung ist solide. Es gibt wenig zu bemängeln. Die Holzfiguren sind sauber ausgeschnitten und schön bemalt, wenn auch durch die cartoonhaftige Optik nicht sonderlich detailliert. Dennoch ist hier etwas Kritik in der Organisation angebracht, denn hierbei werden die vielen unterschiedlichen Marker und Gegenstände beim Einräumen wild in das nächstbeste Fach geworfen, da für die kleinen Marker kein gesonderter Platz vorgesehen ist, sondern diese einfach nur dort, wo Platz ist, hingeräumt werden müssen. Ein Kartenteiler, der die unterschiedlichen Wesenaktionskarten voneinander trennt, wäre ebenfalls sehr praktisch gewesen. Das hätte aus meiner Sicht bei dem Titel besser gelöst werden können. Abseits dessen sind aber keinerlei Schönheitsfehler oder sonstiges bei der Verarbeitung aufgefallen.

Präsentation

Von außen ist die Verpackung sehr niedlich dargestellt. Mit einem Cartoondrachen, der comichaftes Feuer speiht, und einem lächelnden Unhold daneben, hat sie im Ganzen eine recht ansprechende Wirkung auf den Betrachter. Das Dungeonthema wurde durch die Spinnweben, den Skelettkopf und die Schatzkammer sowie die dunkle Farbwahl ebenfalls treffend rübergebracht. Insgesamt halte ich das Verpackungsdesign zwar nicht für ein Meisterwerk oder besonders ausgefallen, dennoch thematisch sehr ansprechend, und ihr wisst durch die einfachen Cartoonzeichnungen und den Spieletitel auf der Oberseite, worauf ihr euch einlasst.

Das Innenleben ist ebenso wie das Äußere nicht sonderlich spannungsreich, wirkt jedoch ansprechend und farblich passend gestaltet. Somit ist das Verpackungsdesign zusammengefasst zwar nicht außergewöhnlich oder ein richtiger Blickfang, bringt das Kernthema des Spiels aber schon noch zum Vorschein.


Ein herzliches Dankeschön geht an den Verlag Mirakulus und Happyshops für das Zurverfügungstellen eines vergünstigten Rezensionsexemplars von Helden müssen draußen bleiben!.


InfoboxHelden müssen draußen bleiben!
Verlag:Mirakulus
Autor:Luís Brueh
Illustration:Luís Brueh
Genre:Fantasy, Rollenspiel
Spielzeit:40 Minuten
Text:Deutsch
Spieleranzahl:1 bis 4
Veröffentlichungsdatum:2023
Alter:12
UVP:55,00€

Überblick der Rezensionen
Story-/Themaumsetzung
9
Spielmechanik
7
Wiederspielwert
8
Spieldesign
6
Präsentation
7
Preis-Leistungs-Verhältnis
7
brettspiel-review-helden-muessen-draussen-bleibenHelden müssen draußen bleiben! ist ein Dungeoncrawler mit einem etwas anderen Ansatz, der nicht nur optisch ein schönes Bild abgibt sondern auch spielerisch in vielerlei Hinsicht überzeugen kann. Wenn auch manche Klassen nicht so viel Abwechslung bringen wie andere kann ich dennoch sagen, dass in dem Spiel für die meisten etwas dabei sein wird und durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade ist es auch notwendig sich mit den Klassen sowie Spielmechaniken auseinanderzusetzen, was die Tiefe in Helden müssen draußen bleiben! begünstigt. Die Optik finde ich ebenfalls erfrischend leicht, was der Herausforderung, die das Spiel bietet etwas die Ernsthaftigkeit nimmt aber wenn man auf niedliche Dungeoncrawler steht, ist Helden müssen draußen bleiben! sowohl spielerisch als auch optisch definitiv einen Blick wert. Einzig die Verpackungsorganisation hätte etwas besser gelöst werden können.

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