Kamigami Battles – Der Fluss der Seelen ist ein Deckbuilder, bei dem euch ein taktisch und strategisch anspruchsvolles Kartenspiel im Anime-Stil erwartet. Reißt die Herrschaft über die uralten Flüsse an euch, um den Weg für die Toten zu ebnen und den Zugang zu den Quellen des Lebens zu erhalten.
Thema des Spiels
Die Herrschaft über die uralten Flüsse Euphrat, Tigris und Nil steht auf dem Spiel. Diese Quellen sind nicht nur die Quelle des Lebens, sondern auch der Weg, den die Toten beschreiten, um ins Himmelreich überzusiedeln. Bisher wachen noch die Götter des antiken Sumers und Babylons über diese Flüsse, doch die Gottheiten des alten Ägyptens beanspruchen nun die Herrschaft.
Jetzt ist in einer gewaltigen Schlacht zwischen den verschiedenen Göttern euer Können gefragt, um festzulegen, wo die Seelen der Toten in Zukunft ruhen werden.
Spielablauf
Kamigami Battles ist im Kern ein reiner Deckbuilder, was bedeutet, dass die Spieler in jeder Runde neue Karten akquirieren, um ihr Deck in Kombination mit der ausgewählten Gottheit und dem Tempel unschlagbar zu machen. Dabei gibt es verschiedene Arten von Karten, die unterschiedlich ausgespielt und kombiniert werden können.
Durch die Kombination aus Tempel und Gottheit entstehen unglaublich viele Möglichkeiten, ein Deck zu spielen und zu strukturieren. Einen kleinen Überblick über die Tiefe des Spiels erhaltet ihr im Folgenden.
Das Spiel funktioniert nach folgendem Grundprinzip:
Kamigami Battles gliedert sich in fünf Phasen:
- Startphase
- Spielphase
- Rekrutierungsphase
- Abwurfphase
- Endphase
Die erste Phase ist relativ uninteressant und wird meistens direkt übersprungen, da hier, wenn überhaupt, nur Reaktionen oder Götterfähigkeiten zum Tragen kommen und das auch nicht immer in jeder Runde möglich oder brauchbar ist.
Bei der zweiten Phase beginnt das Spiel interessant zu werden, denn hierbei legt ihr den Grundstein für euren Rundenverlauf.
Die spielbaren Karten unterscheiden sich in Anhänger- und Kriegerkarten, die verschiedene Zwecke erfüllen.
Anhängerkarten: Diese Karten sind mit dem Anhänger-Keyword versehen, was bedeutet, dass diese Karten Glaubenspunkte als Rekrutierungswährung geben, die die Anwerbung von Kriegern für das eigene Deck aus der Halle der Helden ermöglicht.
Kriegerkarten: Die Kriegerkarten sind hierbei das begehrte Gut aus der Mitte des Spielplans. In zwei Reihen werden sechs verschiedene Krieger aus dem Kriegerstapel ausgelegt und zum Verkauf beziehungsweise zur Rekrutierung angeboten. Diese Krieger haben auch eine Zahl in Form von Glaubenspunkten, nur können diese keine Glaubenspunkte generieren wie die Anhängerkarten, sondern kosten die entsprechende Menge an Punkten.
Die Besonderheit der Kriegerkarten liegt nicht nur in ihren Fähigkeiten, die wesentlich bessere Vorteile ausspielen können als die Anhängerkarten, sondern auch in der Möglichkeit der Verkettung.
Verkettung
Ein zentrales Spielelement in Kamigami Battles ist die Verkettung von Kriegerkarten anhand verschiedener Symbole. Anders als Anhängerkarten, die in beliebiger Reihenfolge und Menge ausgespielt werden dürfen, sind bei Kriegerkarten die Spielbarkeiten durch Symbole limitiert.
Dabei habt ihr in der oberen linken Ecke drei unterschiedliche Zeichen, davon ein großes und zwei kleinere darunter. Das Große bezeichnet die Karte selbst, die zwei Kleineren die Kombinationsmöglichkeiten, in denen die jeweilige Karte gespielt werden darf.
Beispielsweise spielt ihr Ifrit mit dem großen roten Symbol und könnt demnach eine Karte mit einem grünen oder einem blauen Hauptsymbol dazu spielen. Die Karte mit dem grünen Hauptsymbol gliedert sich dann wiederum in zwei weitere spielbare Symbole auf. Wenn ihr in eurem Zug dann entsprechende Karten auf der Hand habt, könnt ihr nicht nur massig Schaden verteilen, sondern gleichzeitig neue Karten auf die Hand nehmen, eure Gottheit heilen oder Karten von anderen Spielern verbannen.
Das ist abhängig von euren Kartenaktionen und Reaktionen.
Aktionen: Wie ihr vermutlich schon erahnt, sind Aktionen festgelegte Möglichkeiten, die euch eine Karte bietet. Eine Aktion Angriff 3 bedeutet, dass ihr mit einem Angriff drei Schaden verursacht. Viele Karten stellen zwei, drei oder vier unterschiedliche Aktionen zur Auswahl. In solchen Fällen könnt ihr selbst entscheiden, welche Aktion ihr ausführt.
Reaktionen: Anders als bei Aktionen treten Reaktionen auch außerhalb eures Spielzugs auf. Bei allen Reaktionen ist die nötige Voraussetzung beschrieben, die eintreten muss, damit die Reaktion ausgeführt werden kann, beispielsweise ist die Reaktion Verteidigung als Konter auf einen Angriff spielbar. Es gibt aber auch Reaktionen von Gottheiten, die beim Verlauf der Phase angewendet werden können und euch eine einzigartige Strategie verleihen.
Aufdecken: Eine letzte, eher weniger relevante Aktion ist die Fähigkeit Aufdecken, bei der eine Aktion ausgeführt wird, sobald sie in der Halle der Helden, also in der Mitte des Spielplans aufgedeckt wird, wenn eine andere Karte verkauft wurde.
Wenn anschließend alle reihum ihre Karten ausgespielt und Aktionen abgehandelt haben, endet die Spielphase und die Rekrutierungsphase startet. Dabei habt ihr die festgelegte Menge an Glaubenspunkten der gespielten Anhängerkarten und könnt dementsprechend noch mehr Anhänger oder Krieger rekrutieren. Hierbei ist Planung und Strategie gefragt, denn zu Beginn legt ihr den Grundstein für die fortlaufende Partie. Solltet ihr anfangs keinen Plan verfolgen, wird euch das im Endgame schwer auf die Füße fallen – wie bei einem klassischen Deckbuilder eben.
In der Abwurfphase wird abschließend die Runde beendet und alle legen sowohl ihre Handkarten als auch ihre gespielten Karten in beliebiger Reihenfolge auf den Ablagestapel. Die neue Runde beginnt danach mit dem Ziehen neuer Karten vom Nachziehstapel.
Gottheiten
Das Herz eures Decks ist die Gottheit, an der alles hängt. Sinkt ihre Energie auf Null, scheidet ihr im Alle-gegen-alle-Modus aus dem Spiel aus. Zu Beginn wählt ihr eure Gottheit, die nicht nur eure Spielweise prägt, sondern auch über einzigartige Aktionen und Reaktionen verfügt, die den Verlauf einer Partie entscheidend beeinflussen können.
Bestimmte Karten gehen mit den Fähigkeiten eurer Gottheit einher, während andere ihre Energie schützen oder regenerieren. Gleichzeitig können gegnerische Karten direkt auf eure Gottheit einwirken und sie schwächen. Jede Gottheit eröffnet dabei eigene Synergien und verlangt nach einer angepassten Deckzusammenstellung sowie Spielweise.
Tempel
Dazu gibt es noch die Option Tempel mit ins Spiel zu nehmen. Das erhöht nochmal die taktische Tiefe, denn diese kommen mit eigener Energie daher und können die Gottheiten bei ihrer Heilung sowie beispielsweise bei der Verteidigung unterstützen.
Ich glaube, das taktisch-strategische Potenzial von Kamigami Battles wird deutlich: Neben dem grundlegenden Kartenspiel und den Gottheiten bieten viele Karten zusätzliche Effekte wie das Verbannen, Kopieren oder Imitieren unterschiedlicher Karten, was hier jedoch nicht im Detail ausgeführt wird, um den Rahmen nicht zu sprengen.
Nicht außer Acht solltet ihr jedoch die zwei weiteren spielbaren Modi von Kamigami Battles lassen:
Team Match: Im Team Match ist das Grundprinzip identisch, lediglich das Layout der Spieler ändert sich. So spielen nicht mehr alle gegeneinander, sondern es werden entweder zu viert, zwei Zweierteams gebildet oder zu sechst drei Zweierteams oder zwei Dreierteams.
Dabei werden dann die Gottheiten nach Zugehörigkeit sortiert, also ägyptisch oder sumerisch-babylonisch. Anschließend wird jedem Team ein Set Gottheiten gegeben, aus dem dann jeder Spieler seinen bevorzugten Gott auswählen kann.
Nachdem dann ein Hauptgott festgelegt wurde, der 20 Energie erhält, und die unterstützende Gottheiten, die jeweils zehn bekommen, wird das Spiel genauso wie auch im Alle-gegen-Alle-Spielmodus fortgeführt.
Einzig die Siegbedingungen ändern sich, denn im Team Match gibt es die Versiegeln-Mechanik.
Das bedeutet, dass wenn die Energie der unterstützenden Gottheit auf Null sinkt, diese versiegelt wird. Im Prinzip wird dieser Spieler dann wie ausgeschieden angesehen, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass er in jeder Startphase, die das Team durchläuft, eine Energie wiederherstellt. Wenn der versiegelte Gott dann fünf oder mehr Energie erlangt hat, ist er stark genug, das Siegel zu durchbrechen und kehrt wieder ins Spiel zurück.
Das Team, dessen Energie beim Hauptgott auf Null sinkt, verliert.
Völkerschlacht
Es gibt in Kamigami Battles neben den zwei langwierigen Spielmodi auch einen schnellen Spielmodus namens Völkerschlacht, bei dem ihr ein Deck aus vorgefertigten zufallsgenerierten Kriegern oder selbst entsprechende Karten auswählt, deren Symbole aber abgestimmt und festgelegt sind. Somit entfällt der strategische Kauf- und Build-Aspekt.
Artworks und Verarbeitung
Die Verarbeitung bei Kamigami Battles ist einwandfrei. Die Karten sind genauso wie bei anderen Spielen aus einem robusten Papier hergestellt. Die Verpackung weist eine gute Struktur sowohl außen als auch innen auf. Bei dem Innenlayout kann man auch nicht meckern. Die etwas größeren Götterkarten haben ihren eigenen Platz, ebenso die Spielkarten, die sortiert in die unterschiedlichen Kategorien eingeordnet sind und einen wertigen Eindruck vermitteln. Dazu gibt es noch Kartentrenner, die eine wirklich gute Organisation ermöglichen. Insgesamt gibt es bei der Verarbeitung und der Struktur also nichts anzumerken.
In Bezug auf die Artworks muss jede Person selbst entscheiden, was sie von den Motiven hält. Positiv hervorzuheben ist, dass sich die Gestaltung der Verpackung im Spiel fortsetzt und sich durch das gesamte Spiel zieht. Dadurch entsteht kein Eindruck, dass das Cover nicht zum Inhalt passt. Sowohl die Götterkarten als auch die rekrutierbaren Karten sind im gleichen leicht bekleideten Anime-Stil gehalten. Auffällig ist, dass nur sehr wenige männliche, dafür überwiegend weibliche Charaktere vertreten sind.
Dazu sei gleichwohl gesagt, selbst wenn die Artworks teils nicht jedem zusprechen werden, sind sie dennoch einwandfrei gezeichnet. Thematisch passen sie sich an die jeweilige Gottheit an, sei es der Gott der Unterwelt, des Lichts oder andere. Rein vom Zeichenstil her kann mich das Spiel also vollends überzeugen und wird wahrscheinlich auch bei jedem Anime-Begeisterten auf Anklang stoßen.
Etwas fragwürdig finde ich an dieser Stelle jedoch die Alterseinschätzung von zwölf Jahre. Dadurch, dass manche Figuren schon extrem leicht bekleidet sind, hätte ich eine Einschätzung von mindestens 16 Jahre mehr nachvollziehen können. Von der spielerischen Seite her ist die Zwölf aber absolut gerechtfertigt und es würde auch jeder Zwölfjährige mit Kamigami Battles – Der Fluss der Seelen zurechtkommen.
Präsentation
Auf dem Cover ist die Göttin Ischtar erkennbar, die genauso im Spiel vorkommt und spielbar ist. Mit der breiten Schrift darunter und dem hellen Schein hinter ihr wirkt die Oberseite der Verpackung sehr einladend, auch wenn hier bereits durch die leichte Bekleidung die Richtung des Zeichenstils angedeutet wird.
Die Rückseite von Kamigami ist dabei zweigeteilt. Auf der linken Seite findet sich ein längerer Text, der in drei grobe Abschnitte gegliedert ist. Hierbei werdet ihr in die Story eingeleitet und erhaltet einen groben Überblick über das Spielgeschehen sowie die Spielmechanik. Darunter befindet sich dann eine Inhaltsübersicht, die sich dann in Karten sowie Organisationsmaterial gliedert.
Auf der rechten Seite bekommt ihr erste Einblicke in den Zeichenstil der Karten geboten. Dort könnt ihr einen Eindruck erhalten, welche Karten in welchem Zeichenstil vorkommen und deren Fähigkeitentexte lesen.
Die Verpackung ist rein stilistisch aus meiner Sicht äußerst ansprechend gestaltet. Auch wenn ich die Rückseite ein wenig überladen finde, was auf den ersten Blick etwas abschreckend wirken kann, ist gleichzeitig ein sehr guter erster Eindruck möglich. Insbesondere für diejenigen, die bisher noch nicht viel Erfahrung mit Deckbuildern haben und noch nie etwas von dem Spiel gehört haben, finden hier einen sehr schönen Überblick. Das macht das Spiel für Interessierte sehr einsteigerfreundlich.
Ein herzliches Dankeschön geht an Boardgamebox für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kamigami Battles – Der Fluss der Seelen.
| Infobox: | Kamigami Battles – Der Fluss der Seelen |
| Verlag: | Boardgamebox |
| Autor: | Richard Gain |
| Illustration: | Elaine Schimek |
| Genre: | Fantasy, Anime |
| Spielzeit: | 60 Minuten |
| Text: | Deutsch |
| Spieleranzahl: | 2 bis 6 |
| Veröffentlichungsdatum: | 2024 |
| Alter: | 12 |
| UVP: | 42,00€ |
















