Die Brettspieladaption zur berühmten Scharfschützenspielreihe Sniper Elite hat es nun auch auf unseren Tisch geschafft und uns sehr überzeugend in die Welt des Zweiten Weltkriegs hineinversetzt.
Um was geht es in Sniper Elite: das Brettspiel?
Wer das Videospiel kennt, dem wird das Setting vom Sniper Elite: das Brettspiel ebenfalls nicht fremd sein. Am Anfang hat man die Wahl, als Scharfschütze zu spielen und Missionen zu erfüllen, oder als die Soldaten, die den Eindringling ausfindig machen und an der Missionserfüllung hindern müssen.
Anschließend bekommt der Scharfschütze seine zwei Missionsziele, die es zu erledigen gilt, und die Soldaten die Anweisung, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um den Scharfschützen an der Erfüllung dieser zu hindern, sei es durch schlaues Platzieren von Einheiten, um Laufwege zu blockieren und den Schützen auf diese Weise zu viel Zeit zu kosten, oder durch das direkte Erschießen des Eindringlings. Bei beiden Arten gewinnen am Ende die Nazis und der Schütze verliert.
Spielablauf
Nach dem Aufbau der Soldaten nach der Anleitung, dem Mischen der entsprechenden Karten und der Bestimmung des Scharfschützen und der Soldaten beginnt jede Partei mit eigenen Vorbereitungen.
Scharfschütze
Beim Schützen gibt es nicht allzu viel zu bestimmen, da kommt es mehr auf die Geschicklichkeit des Spielers an, das Pokerface zu behalten, während ihm die Soldaten im Nacken sitzen. Dennoch hat er die Möglichkeit, drei Ausrüstungsgegenstände seiner Wahl auf die Mission mitzunehmen, die vor allen anderen Spielern verdeckt neben das Spielbrett gelegt werden.
Diese Ausrüstungskarten können einerseits kleine Helferlein wie ein Stein zur Ablenkung einer Einheit sein, aber auch große Gadgets wie eine alternative Bewaffnung, die einmal im Spiel eingesetzt werden kann, um sich beispielsweise in einer eingeengten Situation frei zu schießen oder mehrere Schüsse hintereinander abfeuern zu können. So kann immer die entsprechende Ausrüstung und Bewaffnung auf den entsprechenden Spielstil zugeschnitten werden.

Abschließend werden zwei Missionskarten gezogen, die die Ziele auf dem Spielbrett markieren, die der Spieler passieren muss. Diese werden ebenso vor allen anderen verdeckt neben den Spielplan gelegt.
Soldaten
Währenddessen stimmen sich die anderen Spieler, die die Nazis spielen, aufeinander ab, wer welche Rolle übernimmt. Sollte nur zu zweit gespielt werden, übernimmt der zweite Spieler das Kommando über alle drei Squads. Bei vier Spielern spielt entsprechend jeder Spieler eine Einheit und bei drei wird sich über die Aktion des letzten Squads immer ausgetauscht.
Bezüglich der Rollen gibt es dort ähnlich wie beim Scharfschützen auch Karten, die aber keine Ausrüstung darstellen, sondern Rollen verteilen. Euer Offizier kann entweder ein Sanitäter sein, der Soldaten vor tödlichen Schüssen bewahren kann, ein Scharfschütze, der eine ähnliche Schussdistanz wie der versteckte Scharfschütze schießen kann, ein Hundeführer, der mit seinen Hunden Laufwege und Durchgänge blockieren kann, dem Funkoperator, der es euch erlaubt, eure Einheiten in anderen Sektoren stationieren zu können, ein Jäger, der ein herausragender Schütze ist und Boni auf seine Angriffe bekommt, und noch ein Späher, der mehr Bewegungsfreiheit für die Soldaten bietet und das Suchen nach dem Eindringling einfacher macht.

Wenn sich dann alle auf ihre Rolle geeinigt haben und die Vorbereitungen der jeweiligen Klassen abgeschlossen sind, kann das Spiel beginnen.
Das Spielgeschehen
Der Spielplan
Der grobe Aufbau des Plans: Die ganze Karte ist in vier Sektoren unterteilt: ein roter, ein gelber, ein schwarzer und ein weißer Bereich. In diesen Sektoren befinden sich Lauffelder, also Felder über die sich sowohl der Schütze als auch die Soldaten bewegen können. Daneben sind unpassierbares Terrain, erhöhtes Terrain und undurchsichtige Objekte, die taktisch eingesetzt werden können, implementiert.

Scharfschütze
Beginnend mit dem Scharfschützen zeichnet sich derjenige auf seinem eigenen, geheimen Spielplan seine Laufroute nach und nach ein. Dabei kann er bis zu drei Felder weit sprinten, geht dabei jedoch das Risiko ein, gehört und damit entdeckt zu werden. Ihm steht dabei frei, ob er drei Felder sprintet oder sich Feld für Feld vorkämpft, dafür aber verdeckt bleibt. Wichtig ist dabei nur, den Rundenzähler im Auge zu behalten. Der Schütze hat nämlich nur zehn Runden Zeit, das erste Missionsziel zu erfüllen. Nach dem Erfüllen des ersten Missionsziels wird der Zähler wieder zurückgesetzt. Das Zählen ist durch Aktionssteine dargestellt. Sobald ein Soldat eine Aktion ausgeführt hat, bewegt sich ein Aktionsstein ein Feld weiter nach unten, was gleichzeitig die Runde festlegt.

Die Soldaten
Als nächstes sind die Soldatentrupps am Zug. Diese haben wesentlich mehr Vorgehensweisen, um den Standort des Schützen aufzudecken. Zunächst besteht die Option der groben Eingrenzung als gemeinsamer Trupp, indem eine Sektorabfrage ausgeführt wird. Dabei wird ein Squad aus entweder dem gelben, roten oder schwarzen Sektor ausgewählt, die eine Sektorabfrage ausführen, was bedeutet, dass dieses Squad in dieser Runde all ihre Aktionen aufbraucht, um zu erfragen, ob sich der Scharfschütze in dem Sektor befindet.
Das dient jedoch nur als grobe Einordnung. Für eine präzisere Ortung gibt es hingegen andere Möglichkeiten wie das Durchsuchen und Angreifen. Wenn eine Ahnung herrscht, wo sich der Schütze befinden könnte, wird ein Soldat dorthin geschickt und Durchsuchen eingesetzt, um die Position auf drei Felder genau einzuschätzen. Sobald sich der Spieler sicher ist, den Eindringling erspäht zu haben, wählt er ein Feld aus und greift an, was bedeutet, dass, sollte sich der Schütze auf diesem Feld befinden, er verwundet wird und einen Malus auf seine zukünftigen Schüsse bekommt. Sollte sich der Scharfschütze nicht auf dem Feld befinden, haben die Soldaten eine Aktion verpulvert.
Bewegen
Zwei der Spielkerne sind neben der Erfüllung der Mission das Bewegen und das Schießen. Der Scharfschütze kann sich dabei logischerweise wesentlich schneller bewegen als die Soldaten, dafür aber nicht geräuschlos. Das heißt, dass wenn sich der Schütze mehr als ein Feld weit bewegt und dabei an einem oder mehreren Soldaten vorbeiläuft, er den jeweiligen Spielern mitteilen muss, dass der entsprechende Soldat etwas gehört hat. Er muss aber weder sagen wann, noch wo er was gehört hat. Dies bedeutet, dass wenn ihr lauft und euch der hintere Soldat zuerst gehört hätte, ihr das nicht in chronologischer Reihenfolge sagen müsst. Lediglich müssen nach einer Bewegung jegliche Geräusche preisgegeben werden.
Schießen
Der nächste Kernaspekt dürfte das Schießen sein, der meiner Meinung nach sehr schön implementiert wurde. Anders als in anderen Spielen, in dem die Treffer ausgewürfelt werden, gibt es hier einen Schussbeutel. In diesem Beutel befinden sich verschiedene Kartonmarker, davon sechs Treffer-, zwei Lärm- und drei Rückstoßmarker. Je nachdem wie weit das Ziel entfernt ist, also wie viele Felder die Kugel durchqueren muss, um das Ziel zu erreichen, sind genau so viele Treffermarker nötig. Vor eurem Schuss wird angekündigt, wie viele Marker aus dem Beutel gezogen werden. Danach entscheidet sich anhand der verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten das Ergebnis. Das bringt aus meiner Sicht einen schönen Nervenkitzel und gleichzeitig auch sehr viel Bluff- und Verwirrungspotential. Beispielsweise ist es möglich, vier Marker anzukündigen, diese dann auch zu ziehen, obwohl das Ziel direkt vor einem steht und nur ein Treffermarker von Nöten ist. Die Soldaten würden dann glauben, dass wenn vier Marker gezogen werden, das Ziel weiter entfernt sein muss, da man so viele Marker gebraucht hat. Doch Vorsicht, der Schuss kann auch nach hinten losgehen, denn im Schussbeutel befinden sich wie erwähnt, nicht nur Treffermarker, sondern auch Lärm und Rückstoßmarker. Sollten beispielsweise bei einer Schussankündigung vier Marker gezogen werden, das Ziel steht zwei Felder entfernt und es werden zwei Treffermarker sowie die beiden Lärmmarker gezogen, so gelingt zwar der Schuss, gleichzeitig wurde jedoch so viel Lärm verursacht, dass die Position des Schützen verraten wurde. Noch schlimmer kann es kommen, wenn ihr sechs Marker zieht und sich die Kombination aus drei Rückstoß- und zwei Lärmmarkern ergibt. Das wäre dann der Supergau und bedeutet sowohl der Schuss schlägt fehl, als auch die Position wird offengelegt.
Die taktische Tiefe beim Schießen ist, denke ich, ziemlich klar geworden. Es gibt im Verlauf des Spiels auch Anpassungen des Markerbeutels wie das Hinzufügen von zusätzlichen Markern, die das Glück zugunsten des Schützen wenden können, ihm gleichzeitig aber auch Schaden können, doch der Tiefgang würde hier den Rahmen sprengen.
Solospiel
Sniper Elite: das Brettspiel ist sogar als Solospiel spielbar. Dort werden dann die Mitspieler durch eine Karten gesteuerte KI ersetzt, die die gleichen Aktionen ausführen kann wie die realen Mitspieler auch. Für den Schützen bleibt dabei das meiste gleich, nur die Bewegungen der Gegner werden ausgewürfelt und gleichzeitig ausgeführt. Dabei muss ich jedoch anmerken, dass, obwohl das Spiel alleine funktioniert, es dennoch kein Solo orientiertes Spielerlebnis bietet, da es mit anderen Mitspielern eine völlig andere Atmosphäre bietet. Das Planen, Grübeln, die Unvorhersehbarkeit der Mitspieler sowie das dauerhafte Bangen darum, bloß keinen Fehler zu machen, sind bei mir im Solo-Modus nicht wirklich aufgekommen und kann für mich auch keine Mitspieler ersetzen. Gleichzeitig finde ich jedoch die Möglichkeit, das Spiel auch mal alleine zu spielen, eine sehr schöne Idee und diese wurde nicht schlecht umgesetzt, auch wenn es nicht dieselbe Atmosphäre wie ein Mehrspielerspiel bieten kann.
Erweiterungen
Ein Aspekt, den ich hier nicht außer Acht lassen will, ist die Erweiterung Adlerhorst, die es zum Grundspiel gibt. Wird also das Grundspiel irgendwann mit den zwei enthaltenen Karten zu eintönig, sollte ein Blick auf die Erweiterung geworfen werden, die mit neuen Missionskarten, Ausrüstungen und weiteren Inhalten daherkommt.
Artworks und Verarbeitung
Die Artworks auf den Karten sowie in der Beschreibung sind tadellos. Hierbei gibt es wirklich nichts anzumerken. Sie sind thematisch sehr stimmig aufgebaut, die Beschreibung bietet neben dem ausführlichen Regelwerk auch eine Kurzübersicht über die gängigen Fragen. Dazu sind Spielelemente in der Anleitung selbst dargestellt und bildlich erklärt, welches Symbol was bedeutet. Daneben werden sogar kleine Infos und Funfacts über die Herkunft der Kartendesigns bei den Missionskarten erklärt und insgesamt ist Sniper Elite: das Brettspiel sehr atmosphärisch aufgebaut, sei es die dunkle, verwinkelte Karte auf der gespielt wird, oder die thematischen Missions- und Ausrüstungskarten mit entsprechenden Abbildungen, die die Rollen und die Ausrüstung zeigen.

Die Verarbeitung sieht zwar auf den ersten Blick detailliert und ausführlich aus, doch bei genauerem Betrachten fällt auf, dass die kleinen Gewehre teils ungerade sind. Besonders markant ist, dass bei der Scharfschützenfigur, die nach hinten zum Gewehr greift, an dieser Stelle der Lauf einen kleinen Knick macht. Zwar kann angemerkt werden, dass das Meckern auf hohem Niveau ist, doch gleichzeitig finde ich, dass für diesen Preis die Figuren auch tadellos sein könnten. Die kleinen Schönheitsfehler bei den vollständig grauen Figuren schaden aber dennoch keineswegs dem Spielgeschehen oder der Atmosphäre.


Präsentation
Die Präsentation durch die äußere Verpackung ist analog zu den Artworks fehlerfrei und äußerst passend gelungen. Auf dem Cover sieht man den Protagonisten aus der Videospielreihe, der auch auf jedem Videospielcover vorkommt. Auf der Rückseite ist ganz klassisch eine Übersicht über das Spiel abgebildet und was einen darin erwartet. Beim ersten Öffnen findet man die ganzen Marker im Karton eingestanzt. Sobald alles ausgedrückt wurde, ist mit dem Schützenbeutel eine gute Aufbewahrungsmöglichkeit gegeben. Ein Aspekt der mir besonders gefallen hat, sind die Einkerbungen für die jeweiligen Figuren. Durch eine leichte Wölbung am Rand sind diese problemlos herausnehmbar und ebenso einfach zurückzulegen, ohne dass etwas aneckt oder irgendwo scheuert. Insgesamt finde ich die Präsentation sowie das Innenleben der Verpackung sehr gut gelungen, sodass auch bei mehrmaligem Spielen keine Verschleißerscheinung durch das Herausnehmen und Hineinlegen entstehen.
Ein herzliches Dankeschön geht an den Verlag Grimspire und Happyshops für das Zurverfügungstellen eines vergünstigten Rezensionsexemplars von Sniper Elite: Das Brettspiel.
| Infobox | Sniper Elite: das Brettspiel |
| Verlag: | Grimspire |
| Autor: | David Thompson, Roger Tankersley |
| Illustration: | Edouardo Groult, David Lanza, Ed Savage |
| Genre: | Rollenspiel |
| Spielzeit: | 45 Minuten |
| Text: | Deutsch |
| Spieleranzahl: | 1 bis 4 |
| Veröffentlichungsdatum: | 2022 |
| Alter: | Ab 16 |
| UVP: | 60,00€ |











