Vor 20 Jahren schaute ich noch meine Anime, wie viele anderer meiner Generation auch, auf RTLII und so wuchs ich mit einer deutschen Synchronisation auf, die ich lieben gelernt habe. Ob das nun Dragon Ball (Z), Pokémon, Digimon, Beyblade, Jeanne, die Kamikaze-Dieben oder Ranma 1/2 war, ich liebte das, was mir da geboten wurde. Da wurde auch nie diskutiert, wie angeblich grottenschlecht die Synchronisation sei. Nein, das geschieht erst, seit Publisher wie Kazé oder KSM Anime den Markt mit vielen wunderbaren Werken, im Vergleich zu meinen jungen Jahren, überfluten.

So viele Anime wie wir heute in Deutschland bekommen, gab es zu meiner Zeit leider noch nicht. Schön wäre das natürlich gewesen, aber dennoch erfreute ich mich zunächst an Serien, die auf VIVA oder MTV ausgestrahlt wurden, wie Hellsing, Vision of Escaflowne, Earth Girl Arjuna und Cowboy Bebob. Jede Serie konnte mich bisher in ihrem Umfang an Story und aufgrund der sehr guten Synchronisation begeistern. Deutsche Synchronsprecher mögen nicht unbedingt so einen Ruf genießen wie deren japanische Kollegen, aber das liegt auch daran, dass Anime in Japan einen anderen Stellenwert einnehmen als in Deutschland. Doch dies ändert sich langsam aber sicher, was man auch an dem umfangreichen Angebot, das ich einst mit einem Kollegen zusammengestellt hatte, sieht.

Was ich jedoch extrem schade finde und da muss man sich für die Community auch ein wenig fremdschämen, sind diese Hasstiraden, wenn es um die deutsche Synchronisation geht. Da kann man die deutsche Synchronisation und die japanische in etwa genauso betrachten wie ein Buch, das verfilmt wurde. In< vielen Fällen findet man das Buch oftmals besser als den Film. Ebenso verhält sich das Prinzip mit der japanischen und deutschen Synchronisation. Letztlich ist es ein subjektives Empfinden, das nicht jeder in der Art teilt, dennoch ist es häufig anzutreffen.

Nun geben Publisher oftmals schon lange vorab die Sprecherliste bekannt und/oder veröffentlichen einen oder mehrere Trailer, die in wenigen Sekunden einen Auszug aus der deutschen Synchronisation zeigen. Was sich da manchmal abspielt, ist schon echt hammerhart und teilweise extrem unbeschreiblich. Mehrmals haben sich schon die Publisher selbst zu der Synchronisation und zu den Hasstiraden geäußert, aber eine Sensibilisierung der Fanszene für die Unterschiede zwischen den Kulturen und der Synchronisation war damit bisher nicht zu erreichen.

Hier findet Ihr ein paar Beispiele:

Insgesamt ist die Kritik der „Fans“ auch für mich hin und wieder nicht nachvollziehbar. Ich verstehe natürlich, dass einem der Originalton, den man durch nicht gerade legales Streaming kennengelernt und den man lieben gelernt hat, einfach besser gefällt. Aber das ist doch absolut ein rein subjektives Empfinden und begründet keine Aussagen wie „Die Synchronisation ist widerlich“ oder „Die Stimmen hören sich allesamt scheiße an“. Es gibt weit harschere Kritik, die nicht nur ich unnötig finde und die ich an dieser Stelle erst gar nicht in den Mund nehmen möchte.

Ich möchte ehrlich gesagt gar nicht wissen, wie sich die Sprecher fühlen, wenn ihre Arbeit beschimpft und beleidigt wird. Denn ich denke, jeder von uns weiß zu gut, wie es ist, wenn die eigene Arbeit in Kritik verfällt, die weit entfernt von Sachlichkeit und Wahrheit liegt. Aber Beleidigungen haben nichts mit Kritik zu tun. Wir wünschen uns zwar alle mehr Anime in Deutschland, aber wenn die Hasstiraden die deutschen Sprecher vergraulen, verringert sich auch wiederum die Menge der Sprecher und dadurch die Auswahl der perfekten Stimmen. Im schlimmsten Fall möchte vielleicht dann niemand mehr einen Anime synchronisieren und nun mal Hand aufs Herz: Liegt das in unserem Interesse? Ich glaube nicht, denn ich persönlich möchte mehr von diesen wunderbaren Werken und guten Synchronisation haben. Denn nur so kann ich für meinen Teil den Anime besonders gut genießen. Ein O-Ton ist da für mich nur reiner Bonus, den ich mir zumeist gerne in einem zweiten Gang zu Gemüte führe.

Daher finde ich es immer wieder gut, wenn sich die Publisher zu Wort melden und sich für ihre deutsche Synchronisation stark machen. Denn sind wir mal wirklich ehrlich: Die deutsche Synchronisation hat, wie für Deutschland üblich, eine hohe Qualität. Das IST deutsche Qualität, für die uns andere Länder immer wieder beneiden und wie ich finde, absolut zu Recht.

Zum Abschluss möchte ich noch eine Frage an diejenige, die immer wieder schimpfen, stellen: Könntet ihr diese Arbeit, die ihr so oft verunglimpft, am Ende selbst besser machen?

Lektoriert von Sabine L.
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